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Bilderrätsel

Lava – Karlsruher Frauenzeitung

Auflösung des Bilderrätsels #8

Karlsruher Frauenzeitung LAVA

Interview mit Karla Knadenlos, einer der letzten mundartlichen „Reborderinne“, mit sich selbst:

Karla: Frau Knadenlos, wenn sie auf 1989 zurückblicken: Was sehen sie?

Frau Knadenlos: Ha, zum Beispiel mich, jienger – also ich war damols deitlich jienger, ma kennt fascht sage: jung. Awer des isch nur ein Aschpekt. Ich seh‘ ah noch die Mauer, die D-Mork un dann halt die LAVA, die Karlsruher Frauezeidung, wo ich jo dann schpäter berühmt worre bin, durch die.

Karla: Erinnern Sie sich noch, wie alles begann?

Frau Knadenlos: Ja un noi, des mit dem erinnere, des isch zwoischneidich, des Schwert. Ich erinner me so, als wie wenns geschdern gwest wär, awer weil s halt schon länger her isch, do verschwimmt ah alles e bissl.

Karla: Was war der Beweggrund, wie kam es zur LAVA?

Frau Knadenlos: Ha, wie bei jedem Vulkan, es rumort lang – un dann explodiert’s. Ich moin, Karlsruh isch jo von dere LAVA net im Schlof iewerrascht worre, des isch jo noch gimpflich abgange … Awer mir henn halt’s Gfiehl kat, es braucht ebbes oigenes, e oigene Zeidung, wo mir mol die erschd Geig schpiele. Frauezeidunge hat’s jo gewe wie Sand am Meer, awer halt so e Art, wo mir gar net drin vorkomme sinn, mir henn scho ganz annerscht ausgsehe – un so viel koche, backe, häkle hat jo fascht koin Mensch gmacht.

FEMINISMUS, des klingt verkrampft, des hat scho damals d’Leit verschreckt, awer es war uns wichdich, dass e Fra meh sei kann, wie oim gsagt worre isch. Schon wege oim selwer. Woisch, wema s Gfiehl hat, ma basst in ebbes net nei, dann kama denke, ma wär irgendwie falsch – oder ma dud sich mit annere zamme – un macht ebbes, wo mer nei basst.

Karla: Und wie kamt ihr auf die Themen, was war euch wichtig?

Frau Knadenlos: Ja, ganz em Afang ware ma zu zwölft (so viel wie Jünger quasi, fallt mer grad uff) – und ganz unnerschiedlich, manche hen gschafft, manche net, die oine hen schtudiert, die annere ausbildung gmacht – un jede hat jo ihren oigenen Blick kat – un mir henn halt zammegetrage, was uns indressiert, was un uffallt, was uns wichdich isch – un zamme iewerlegt, wie werd do jetzt en schuh draus. Des war ah net immer nur eideidei, wenn jede ihre Vorschtellunge hat, do musch ah erschtemol zamme finne. Awer ich moin, es war ganz viel Wolle debei, mit ennanner was BEWEGE wolle – und sich dann halt ah uff ennanner zubewege – un zamme was erreiche.

Karla: Was war Dir selbst wichtig?

Frau Knadenlos: Gute Frog! Also mir was des Schreiwe wichdich, des war e tolle Gelegehoit, was auszuprobiere, zum Beispiel mit dem „schreiwe-wie-der-Schnawel-gwachse-isch“, weil du nadierlich iewer dei oigene Schproch Sache un Theme annerscht agehsch un ah annerscht ausdrücksch. Awer mir war ah wichdich, mit denne annere, wu mitgmacht henn, in so erem Prozess zu sei – un ich glaab, ich hebb viel glernt, annere ah besser sei lasse zu kenne – un zu merke, dass Unnerschiede ah verbinde könne un net bloss trenne misse … Un ich fand#s klasse, dass mer fascht alles wirklich selwer gmacht henn – des hat uns, glaab ich, mit dere Zeidung nochemal uff es ganz bsonnere Art verbunde

Karla: Was waren denn die Themen in der LAVA?

Frau Knadenlos: Ha, Theme gab’s so viel wie Muschle am Strand, do kann e jo jetzt bloss e paar uffzähle – ich moin, was es in Karlsruh‘ so an Frauebewegung gewe hat, hen mir vorgschtellt, dann war awer so e Heft noch lang net voll – un dann hema Buchbesprechunge kat, Filme ah, Interviews (mit Anja Meulenbelt, des vergesse net, die war im Café Palaver, mir hen se interviewt – mit erem Cassette-Recorder – un dann, wo mas abtippe wollte, hen mer gmerkt, dass des band spchinnt – un alle Stimme ware sauhoch un sauschnell, do hema viel aus m Gedächtnis rekonschtruiere misse) … en großer iewerregionaler „Themeblock“ war die „Wiedervereinigung“, do ware mer jo fascht LIVE debei … Oder de § 218 – wer schpricht heit noch iewer de § 218?

Karla: Glaubst Du, dass die LAVA in Karlsruhe etwas verändert hat?

Frau Knadenlos: Na ja, ich denk‘ die LAVA wie do wie jeder annere Kieselschtoi – du schmeischn ins Wasser un er macht Welle – un die Welle uff de Oberfläch, die siehsch, awer was do alles zammehangt, des siehsch net. Nadierlich wienscht mer sich, dass die LAVA ebbes verännert hat – awer so richtig konkret kennt e sage, dass fier vierzehn Ausgabe mit unterschiedlichem Seite-Umfang oiniges an Babier bedruckt worre isch. Un dass es Schpass gmacht hat. Un dass es awer ah Erwet war.

Karla: Was möchtest Du den Leser*innen der Druckschrift mitgeben?

Frau Knadenlos: Ich, denne Leser“inne der Druckschrift mitgewwe? Also oimol hewe in de Lava gschriewe: Solidarität isch e grosses Wort, awer zamme halte misse mer. Des gewe mit, des isch quasi zeitlos.

 


Übersetzung

Karla: Frau Knadenlos, wenn sie auf 1989 zurückblicken: Was sehen sie?

Frau Knadenlos: Ja, mich zum Beispiel, in jünger. Also ich war damals deutlich jünger, mensch könnte fast sagen: jung. Aber das ist nur ein Aspekt, ich sehe auch noch die Mauer, die D-Mark – und die LAVA, die Karlsruher Frauenzeitung, durch die ich dann später berühmt geworden bin.

Karla: Erinnern Sie sich noch, wie alles begann?

Frau Knadenlos: Ja und nein, das mit dem Erinnern, das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich erinnere mich so, als ob es gestern gewesen wäre, aber weil es doch schon länger her ist, verschwimmt alles ein wenig.

Karla: Was war der Beweggrund, wie kam es zur LAVA?

Frau Knadenlos: Ja, wie bei jedem Vulkan, erst rumort es, dann explodiert es. Ich meine, Karlsruhe ist von dieser LAVA nicht im Schlaf überrascht worden, es ist alles gut ausgegangen. … Aber wir hatten das Gefühl, es braucht etwas eigenes, eine eigene Zeitung, wo wir mal die erste Geige spielen. Frauenzeitungen hat es ja schon gegeben – wie Sand am Meer, aber eine Art, wo wir nicht wirklich vorkamen.

Wir haben schon anders ausgesehen – und so viel gekocht, gebacken, gehäkelt hat ja fast niemand. FEMINISMUS, das klingt verkrampft, das hat schon damals die Leute verschreckt, aber es war uns wichtig, dass eine Frau mehr sein kann, als es vorgeschrieben wurde. Schon wegen uns selbst. Wenn mensch das Gefühl hat, man passt nicht, dann kann mensch denken, man wäre irgendwie falsch – oder mensch tut sich mit anderen zusammen und macht etwas, in das mensch hineinpasst.

Karla: Und wie kamt ihr auf die Themen, was war euch wichtig?

Frau Knadenlos: Am Anfang waren wir zu zwölft (so viel wie Jünger quasi, fällt mir jetzt erst auf) – und wir waren ganz unterschiedlich, manche waren in Lohnarbeit, manche nicht, manche haben studiert oder Ausbildung gemacht – und jede kam mit ihrem eigenen Blick auf die Dinge – und wir haben zusammengetragen, was uns interessiert, was uns auffällt, was uns wichtig ist – und haben zusammen überlegt, wie ein Beitrag für die LAVA draus werden kann. Das war nicht immer nur „eideidei“, wenn jede ihre Vorstellungen hat, muss mensch erstmal zusammenfinden. Aber ich meine, es war sehr viel wollen dabei, miteinander etwas BEWEGEN wollen – und sich dann halt auf einander zu bewegen und zusammen etwas erreichen.

Karla: Was war Dir selbst wichtig?

Frau Knadenlos: Gute Frage! Also mir war das Schreiben wichtig, das war eine tolle Möglichkeit, etwas auszuprobieren – zum Beispiel mit dem „Schreiben-wie-dir-der-Schnabel-gewachsen-ist“, weil du über den eigenen Dialekt an die Themen anders herangehst und dich anders ausdrückst.

Aber mir auch wichtig, mit den anderen Mitmacherinnen in einem Prozess zu sein, ich glaube, ich habe viel gelernt, andere besser sein lassen zu können – oder zu merken, dass Unterschiede auch verbinden können und nicht trennen müssen.

Und ich fand es klasse, dass wir fast alles wirklich selbst gemacht haben, das hat uns – glaube ich – mit der Zeitung auf eine ganze besondere Art verbunden.

Karla: Was waren denn die Themen in der LAVA?

Frau Knadenlos: Themen gab es so viele wie Muscheln am Strand, da kann ich jetzt nur ein paar aufzählen – was es in Karlsruhe so an „Frauenbewegung“ gegeben hat, haben wir vorgestellt – da war so ein Heft aber noch lange nicht gefüllt … Es gab Buch- und Filmbesprechungen, Interviews (zum Beispiel mit Anja Meulenbelt, unvergesslich, sie hatte eine Lesung im Café Palaver, wir haben sie anschließend interviewt – das Gespräch auf einem Cassetten-Rekorder mitgeschnitten – und als wir es dann ins Reine schreiben wollten, haben wir gemerkt, dass das Band spinnt – und alle Stimmen waren zu schnell und zu hoch – da mussten wir viel aus dem Gedächtnis rauskramen) …
Ein großer überregionaler Block war die „Wiedervereinigung“, da waren wir zeitlich ja fast LIVE dabei. Oder der § 218 – wer spricht heute noch über den § 218?

Karla: Glaubst Du, dass die LAVA in Karlsruhe etwas verändert hat?

Frau Knadenlos: Na ja, ich denke die LAVA ist da wie jeder andere Kieselstein, du wirfst ihn ins Wasser, er macht Wellen – und die Wellen an der Oberfläche siehst du, aber was noch passiert, siehst du nicht. Natürlich wünsche ich mir, dass die LAVA etwas verändert hat, aber so richtig konkret kann ich nur sagen, dass für vierzehn Ausgaben jede Menge Papier bedruckt worden ist, dass es uns Spaß gemacht hat, dass es aber Arbeit war.

Karla: Was möchtest Du den Leser*innen der Druckschrift mitgeben?

Frau Knadenlos: Ich den Leser*inne der Druckschrift mitgeben? Einmal habe ich in der LAVA geschrieben: Solidarität ist ein großes Wort, aber zusammenhalten müssen wir. Das kann ich mitgeben, das ist quasi zeitlos.

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