Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Schwerpunkt

Klartext: Kulturförderung

Interview mit Claus Temps, Leiter des Kulturbüros Karlsruhe

Inwiefern erfolgt die Förderung und Unterstützung von Kulturprojekten selektiv im Hinblick auf Größe und Renommee-Gewinn für die Stadt?

Claus Temps: Wir sprechen hier von Projektförderung. Grundlage sind die Projektförderrichtlinien, die sich im Netz auf karlsruhe.de finden. Hier geht es in keiner Weise um Größe und Renommee-Gewinn, sondern darum, ob die dort genannten Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Gerade die Förderung von kleineren Projekten ist uns wichtig (Kunsträume, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen u.a.). Sie prägen das kulturelle, künstlerische Leben in Karlsruhe. Uns ist daran gelegen, dies zu ermöglichen. Die von Ihnen angesprochene UND hätte in den letzten Jahren ohne Unterstützung und Vermittlung durch das Kulturbüro nicht stattfinden können. Mit den Kunstinitiativen ist das Kulturbüro in gutem Kontakt.

Inwiefern spielt die Aussicht auf kommerzielle Erfolge von Projekten eine Rolle, bei der Unterstützung durch direkte Förderung oder indirekt bei Schaffung von Räumen, Öffentlichkeitsarbeit oder Abbau von Hürden?

Claus Temps: Die Aussicht auf kommerzielle Erfolge spielt in der Projektförderung keine Rolle. Wir fördern keine kommerziellen Projekte. Projektförderung ist Fehlbedarfsfinanzierung. Trägt sich ein Projekt kommerziell, bedarf es keiner öffentlichen Förderung. Wir freuen uns über Kulturschaffende, denen es gelingt, ihr Projekt, ihren Raum o.ä. aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Wie viel Einfluss kann auf bauliche Projekte in der Stadt genommen werden, die zum Abbau kulturell genutzter Räume, beispielsweise “hinterm Hauptbahnhof” genommen werden? Wird dieser Spielraum genutzt? Wie steht das Kulturbüro zum Vorrang gewerblicher und technologischer vor kulturellen Nutzungen.

Claus Temps: Das Kulturamt ist Teil der Stadt Karlsruhe. Wenn der Gemeinderat darüber entscheidet, die Mietverträge über Atelierräume hinterm Hauptbahnhof zu kündigen, ist die Verwaltung daran gebunden. Das Kulturamt hat hier keinen eigenen Entscheidungsraum.
Zum Vorrang gewerblicher und technologischer vor kulturellen Nutzungen: Der Bebauungsplan Nr. 614 aus dem Jahr 1985, der für das Karlsruher Stadtgebiet gilt, sieht keine kulturellen Einrichtungen in Gewerbegebieten vor. Dieser Plan kann nicht grundsätzlich geändert werden; gebietsbezogen ist er jedoch bereits durch spätere Bebauungspläne überschrieben worden. Das Kulturamt ist darauf bedacht, bei Bebauungsplanänderungen darauf hinzuwirken, dass auch in gewerblich genutzten Gebieten Kultureinrichtungen und kulturelle Nutzungen möglich sind. Dies sind jeweils Einzelfallentscheidungen. Im Kulturkonzept 2025 Karlsruhe haben wir festgeschrieben, dass Räume essenziell für die Kultur in der Stadt sind. Dies bringen wir auch in Stellungnahmen zu Bebauungsplänen und in sonstige Bemühungen um kulturelle Räume ein.

Von verschiedenen Seiten hört man die Klage, dass es kaum Räume für freie kulturelle Entfaltung in Karlsruhe gibt. Das hängt sicher mit der insgesamt angespannten Raumlage der Stadt zusammen. Wie begegnen Sie dem Vorwurf, dass hier zu viele Hürden für die kreative Nutzung öffentlicher Räume und/oder gewerblicher Gebiete bestehen?

Claus Temps: Auf die Einschränkung durch den Bebauungsplan 614 habe ich hingewiesen. Jenseits dieser Beschränkungen bemühen wir uns, nach unseren Möglichkeiten Räume für kulturelle Nutzungen zu erschließen. Dies ist insbesondere im Alten Schlachthof gelungen. Unsere Bemühungen um die Vermittlung von Leerflächen und leerstehenden Läden in der Innenstadt haben wenig Resonanz bei den Vermietern gefunden und blieben überwiegend erfolglos. Wenn wir dazu beitragen können, Räume für kulturelle Nutzungen zu erschließen oder zu öffnen, sind wir jederzeit ansprechbar. Das weiß auch die Kulturszene in Karlsruhe.

Inwieweit war die Kulturförderung von den Maßnahmen der Stadt Karlsruhe zur Haushaltskonsolidierung in der ersten Runde, wie wird sie in der anstehende Runde betroffen sein? Was bedeutet das für die zukünftige Förderung von Kulturinitiativen?

Claus Temps: Von den Maßnahmen der Haushaltskonsolidierung ist insbesondere die institutionelle Förderung der Kultureinrichtungen betroffen. Ab dem Haushalt 2017/18 wurden deren Zuschüsse um ca. 3,6 % gekürzt. Der in dieser Weise gekürzte Betrag findet auch Eingang in die neue Haushaltsplanung; eine Aufhebung der vorgenommenen Kürzungen ist für die nächsten Jahre nicht vorgesehen.
Die Projektförderung blieb von den Kürzungen weitgehend unberührt, so, dass wir im Rahmen der im Haushalt bereit gestellten Mittel auch weiterhin die künstlerischen Projekte in Karlsruhe unterstützen können.

Wie sehen Sie Karlsruhe in Sachen Kulturförderung im Vergleich mit anderen Universitätsstädten?

Claus Temps: Jede Universitätsstadt hat ihre eigenen Bedingungen. In Städten wie Heidelberg, Freiburg oder Tübingen ist eine wesentlich größere Verbindung zwischen Universität und Stadt zu verzeichnen. Wir sind daran interessiert, die Uni in die Stadt, die Stadt in die Uni zu bringen und hier offenere Verbindungen zu schaffen. Davon können beide Seiten profitieren und die Stadt insgesamt kann gewinnen. Das Kulturbüro ist auch Ansprechpartner für künstlerische Initiativen aus dem Hochschulbereich. Soweit sie den erwähnten Projektförderrichtlinien entsprechen, ist eine Förderung auch hier möglich.

Welche Empfehlung kann aufstrebenden Projekten gegeben werden, um an gute Förderung zu kommen, um nachhaltig bestehen zu können? Welche Rolle spielt hierbei die Vernetzung zwischen einzelnen Initiativen?

Claus Temps: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Aufstrebende Projekte haben die Möglichkeit, eine Projektförderung zu beantragen. Dabei geht es um Unterstützung im Einzelfall. Nachhaltigkeit meint Dauerhaftigkeit. Das ist mit unseren Förderstrukturen schwer vereinbar – es sei denn, der Gemeinderat nimmt eine Initiative in eine dauerhafte Förderung auf. Dafür sind die – auch vom Haushalt vorgegebenen – Hürden jedoch sehr hoch.
Häufig aber helfen in der Tat Vernetzungen verschiedener Initiativen und Gruppen. Das Kulturbüro berät hier gerne.

Wir bedanken uns für die ausführlichen Antworten. Die Fragen für die Redaktion stellte Benedict Holbein.


Kulturförderung in Karlsruhe

Institutionell

„Recht auf Kultur – Karlsruhe als Stadt der Grund- und Menschenrechte“, lautet das Motto des Kulturkonzepts 2025 der Stadt Karlsruhe, welches die Arbeit der Kulturbüros begründet. Als Abteilung des Kulturamts, ist es zuständig für die Förderung nichtkommerzieller Kulturprojekte. Dazu gehören neben Vernetzungs- und Beratungsangeboten, direkte finanzielle Anschub- oder Bedarfsfinanzierung, Vermittlung von Infrastruktur und Öffentlichkeitsarbeit. Voraussetzung für eine Förderung ist – den Förderrichtlinien zu entnehmen – eine professionelle, zeitlich begrenzte und öffentlich zugängliche Aktion, die „eine Bereicherung für das kulturelle Leben in Karlsruhe darstellt“. Kommerzielle gewinnorientierte oder Marketing Absichten, Ausbildungsprojekte und Wohltätigkeitspflege sind ausgeschlossen. Unterstützt werden, „im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel“, eigenständige und originelle Projekte zu aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Fragen.

Kontakt und Infos unter: www.karlsruhe.de/b1/kultur/kulturfoerderung

Kommerziell

Beratung, Coaching, Organisation von Fortbildungs- und Vermarktungsevents, Netzwerken und Organisieren – das „K³ Kultur- und Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe“, das auf dem Kreativgelände des Alten Schlachthof ansässig ist, kümmert sich um den kommerziellen Ausbau des Kultur- und Kreativstandorts Karlsruhe. Über alle künstlerischen Bereiche hinweg verfolgt die Managementeinrichtung, mit derzeit zwei Mitarbeitenden, das Ziel Unternehmen der Kreativwirtschaft produktiv zu vernetzen und einen Marktplatz in der Region Karlsruhe zu etablieren. Technologie, Kunst und Forschungbilden die Schnittstelle für das Gemeinschaftsprojekt von Wirtschaftsförderung und Kulturbüro. Dazu gehört das Gründerzentrum „Perfekt Futur“ – eine Stadt aus 68 ungenutzten Seefrachtcontainern, die Raum für Start-Ups im Kreativbereich bieten sollen.

Infos und Kontakt gibt es hier: http://www.k3-karlsruhe.de, http://www.perfekt-futur.de

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    im Bunker in der Erzbergerstr. 81 stehen seit Jahren ausgebaute Proberäume leer…

    MfG,

    M.Schönhof

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

*

Beiträge zum Thema Schwerpunkt

Halle ISEK 2025

Stadtentwicklung – gibt´s auch in anderen Städten. Die Partnerstadt an der Saale

Eine lebenswerte Stadt

Die Initative Critical Mass setzt sich für mehr Fahrräder in Städten ein.

Auf der Suche

Schnell machte sich Ratlosigkeit während des Projektes breit, zumal wir dieses Phänomen in
Nach oben