Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Bilderrätsel

Ein Aufstand, der so gern eine Revolution geworden wäre

Bilderrätsels #2: Die „Badische Revolution“ von 1848/49

Gedenkstein am Durlacher Tor (Foto: Roland Ernst)

Auf dem Bilderrätsel in der letzten Ausgabe war ein Ausschnitt der Durlacher Obermühle abgebildet. Die beiden in die Wand eingelassenen Kanonenkugeln erinnern an das Gefecht zwischen den Revolutionstruppen und der preußischen Armee am 25.06.1849 an der Pfinz.

Anregungen zur Entdeckungsreise abseits der offiziellen Geschichtsschreibung

Mit dem Rätsel zur badischen Revolution möchte die Redaktion der Druckschrift sicherlich die vorhandene aufständische Seele ihrer LeserInnen dahingehend motivieren, sich noch entschlossener dem Klassenfeind, dem alles beherrschenden und prosperierenden Kapitalismus entgegenzustellen. Und tatsächlich sind die Geschehnisse des Jahres 1849 immer noch geeignet, im trüben politischen Alltag etwas aufständischen Glanz zu verbreiten, das eine oder andere Träumchen vom bewaffneten Aufstand wieder hervorzuholen.

Betrachtet mensch einen bestimmten Ort, und noch bestimmter den eigenen Hinterhof, so sind dort Revolutionen und größere Aufstände eher selten. Da ist es hier in Karlsruhe schon ein großer Glücksfall, dass wir uns an eine provisorische Revolutionsregierung erinnern können und an tausende entschlossene Menschen, die bereit waren, mit oder ohne Waffe in der Hand für bessere Verhältnisse zu kämpfen. Ebenso wie an den noch viel selteneren Fall, dass eine komplette militärische Festung mit 5.000 Mann desertiert und sich zum Schutz der Aufständischen bereit erklärt.

Der Begriff „Badische Revolution“ ist jedoch irreführend. Denn die Entwicklungen scheinen eher geeignet, von einem großen Aufstand im Kontext von vielen hundert anderen Aufständen zu sprechen. Denn erstens bedeutet Revolution, dass mensch den Klassenfeind auf die eine oder andere Art (zumeist militärisch) besiegt hat, und zweitens in der Folge eine Gesellschaft etabliert wurde, die den revolutionären Zielen entspricht. In der kurzen Zeit zwischen Entmachtung des feudalen Regimes und der Niederlage gegen die Bundestruppen hatten sich jedoch noch gar keine tragfähigen revolutionären Strukturen gefestigt, geschweige denn eine neue Gesellschaftsordnung – und eine Weiterentwicklung wurde eben durch die Konterrevolution verhindert.

Den Blick auf die Revolten der Basis richten

Zwar scheiterte der Aufstand und es wäre sicherlich interessant zu wissen, wie sich die Dinge entwickelt hätten, wenn sich nicht die üblichen Verdächtigen aus den Reihen der Juristen, Offiziere, Beamten, Intellektuellen, und damit deren nationalistisch-sozialdemokratischen Ideen – Parlament, Verfassung, Deutschland, Nation, Republik – in den Vordergrund gedrängt hätten, doch zeigen zahllose Berichte, dass es in den Volksvereinen um andere Themen ging: Die grassierende Hungersnot, Armut, Feudalismus, Patriarchat, Klassengesellschaft und Klassenkampf, Ausbeutung, Krieg und Militärdienst und vieles weitere.

Und in der männerdominierten Geschichtsschreibung gibt es auch einige Anhaltspunkte für die extrem wichtige Rolle der Frauen. Hecker schrieb: „Die Frauen und Mädchen zeigten sich muthiger und begeisterter als die Männer. Manchen, der nachher zu uns stieß, trieben die Frauen und Mädchen mit ihren Vorwürfen, dass es feige seie, uns im Stiche zu lassen und daheim zu sitzen, während wir die Freiheit erstreben wollten, zu den Waffen.“

All denen, die an einer politischen Lustlosigkeit mangels positiver Beispiele leiden, sei die Beschäftigung mit der „Badischen Revolution“ empfohlen – insbesondere mit dieser riesigen Subkultur, den Tausenden von Volksvereinen, Versammlungen, radikalen Forderungen, der Bewaffnung, der Entschlossenheit.

Tipps, sich zu erinnern und zu motivieren

Roman

  • Stefan Heym – Lenz oder die Freiheit
  • Klaus Kordon – 1848
  • Sachbuch:
  • Klaus Schreiner – Die badisch-pfälzische Revolutionsarmee 1849 – Gewehre in Arbeiterhand
  • Johann Philipp Becker – General der Revolution

Museum

  • Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte,
  • Bundesarchiv Außenstelle Rastatt

 Denkmäler

  • Gedenksteine für die erschossenen Freiheitskämpfer von 1849 am Kaiserplatz / Mühlburger Tor, Obermühle und Pfinz
  • Gedenkstein am Durlacher Tor
  • Revolutionsdenkmal in Bretten
  • Gedenkstein auf dem Friedhof in Bruchsal.
  • Denkmal im Patientengarten des Kreiskrankenhauses in Rastatt

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