Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Kultur

Raue und Wärme

Künstler*innen am Nordbecken

Konzert im Nordbecken (Foto: Nordbecken)

Mit den letzten Wintergraden an den großen Hallen der Nordbeckenstrasse vorbei, den Energieberg hinter mir, der Weg führt immer an den alten Gleisen entlang.

Die Künstlerin Constanze Zacharias öffnet die Tür zur Halle, in die kühle Hafenluft schlägt mir Wärme entgegen, der Geruch von Kaffee und Leinöl. Alexander Feuerstein arbeitet an einer Leinwand, Pinsel und Malmittel zeichnen einen Arbeitsbereich. nur wenige Schritte entfernt stoße ich auf die Arbeiten von Nemanja Sarbajic und Bastian Börsig.

Hier draußen ist seit 2012 ein Ort gewachsen, über Freundschaften und Künstlergemeinschaft hat sich ein Dach gefunden, lange nachdem die Freunde die ersten Ausstellungen veranstaltet haben, damals noch in der Alten Apotheke Langensteinbach. Das Herz des Kollektivs schlägt in der Küche, um einen Ofen namens Bruno und eine Kaffeekanne. Über der Halle mit den Atelierplätzen steigt eine Treppe in die Aufenthaltsräume. Eine Tür führt zu den Nachbarn vom Projektraum Pool. Immer wieder stoßen neue Mitglieder zur Gemeinschaft, suchen Idealisten die Freiheit am Rhein. Es ist ein sehr offenes Miteinander, was hier am noch bezahlbaren Mietrand unserer Stadt gelebt wird. Die Gestaltung des gemeinschaftlichen Raumes hat hier Möglichkeiten gefunden, entstanden ist eine Bühne für lokale und internationale Talente.

Karlsruhe darf jedes Jahr auf das Nordbecken-Festival stolz sein, eine Woche im Sommer gibt es Veranstaltungen, Konzerte und die neuen Werke der Gruppe. Constanze, Rosanna und Jonathan Zacharias machen Musik mit Freunden aus aller Welt, jedes Jahr weht mehr Liebe und Erfahrung durch die Halle, kommen mehr begeisterte Besucher aus der Konsumhygiene der Innenstadt, in die raue Atmosphäre der alten Industriehalle.

Als ich die Halle wieder verlasse, fallen mir die Werkzeuge, die Holzberge und Eisenhaufen vor der Tür auf. Alles, was mich willkommen hieß, ist von den Bewohnern in langen Stunden erzeugt worden. Auf die Beine gestellt. Kaum dazugekaufte Passformen – wahrscheinlich daher so viel Platz für Zwischenmenschliches.  Die Schaukel vor dem Fenster zum Hafen. Die Bühne für Dos aus New York. Die Möglichkeit, Teil einer sich unterstützenden Gemeinschaft zu sein. Hier draußen ist es noch möglich.

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