Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Kultur

Räume für Kultur sind Mangelware

Zurückgedrängt und ausgeschlossen – Freie Kulturträger in Karlsruhe

Das Tempel-Gelände in Mühlburg: Das Vanguarde steht vor dem Aus. (Foto: Urheber: Andreas Schwarzkopf)

Kürzung der institutionellen Zuschüsse, Clubsterben, der Verlust der Spielstätten oder Arbeitsräume – die freien Kulturträger in Karlsruhe stehen unter Druck. Die Probleme und Ausgangslagen sind unterschiedlich, doch auch auf für Kultur vorgesehenen Flächen wird die kulturelle Nutzung zunehmend zurückgedrängt.

Kulturelle Nutzung zurückgedrängt

Nach dem „Liebstöckel“, dem „Carambolage“ und zeitweilig dem „Radio Oriente“ ist auch das „Vanguarde“ seit Juni diesen Jahres faktisch geschlossen. Beim Start des Vanguardes im Jahr 2012 hatte das Bauordnungsamt noch einer Konzession für zwei Tanzveranstaltungen pro Woche zugestimmt. Im Zuge einer jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Pächter der Räumlichkeit und dem einzigen Bewohner im Tempel-Gebäude in Mühlburg räumte das Amt jedoch Fehler bei der Vergabe ein und kürzte die Konzession auf eine Veranstaltung pro Monat. Das Regierungspräsidium muss nun neu über die Konzession entscheiden. In seiner Stellungnahme ignorierte das Bauordnungsamt die positive Bewertung des Kulturamts, das dem Vanguarde eine für die Stadt Karlsruhe wichtige kulturelle Nutzung und damit die Genehmigungsfähigkeit der ursprünglichen Konzession bescheinigte. Es empfahl dem Regierungspräsidium nur die Vergabe der gekürzten Konzession. Der Pächter des Vanguarde, Jakob Siegmund, zeigt sich überrascht, wie wenig Gewicht die Einschätzung des Kulturamts hat. Nach zwei Jahren Anlaufzeit und umfangreichen Investitionen war das Vanguarde seit 2015 in der Lage, sich finanziell selbst und ohne kommunale Förderung zu tragen. Seit der radikalen Nutzungseinschränkung steht er nun vor einem Schuldenberg. Siegmund sieht die Interessen der Kultur auf dem Gelände des Kulturvereins Tempel, das neben kulturellen Einrichtungen auch Ateliers und Proberäume beherbergt, immer mehr zurückgedrängt. Schließlich seien vor wenigen Jahren in den Räumen des Vanguardes noch fünf Veranstaltungen pro Woche erlaubt gewesen.

Bereits seit 2014 ist der Jazzclub Karlsruhe e.V. ohne eigene Spielstätte. Aus dem Alten Schlachthof ist der Jazzclub ausgezogen, nachdem sich gezeigt hat, dass die kommerziellen und kulturellen Interessen langfristig nicht zusammenpassen. Seither präsentiert er sein Programm in wechselnden Locations und sucht mit der Kampagne „Give the groove a roof“ einen neuen, festen Veranstaltungsraum. Auch bei der Stadtverwaltung bat der Jazzclub um Unterstützung bei der Raumsuche. Sobald ein Raum gefunden sei, sicherte die Stadtverwaltung Unterstützung zu, so Niklas Braun, Vorsitzender des Vereins. Die Raumsuche aber ist eine große Herausforderung, sagt Braun. Bislang sichere aber vor allem die Unterstützung des Mitgliederstammes dem seit 1969 existierenden Jazzclub die Existenz.

Experimentierfeld auf Zeit – Das C-Areal

Nach zweieinhalb Jahren Raumsuche erfolgreich war dagegen der Panorama e.V. Der Verein, der von 2011 bis 2014 die „Halle 14“ im Rheinhafen betrieb, hat im Juni das „P8“ auf dem C-Areal in der Karlsruher Nordstadt eröffnet. Neben Ateliers, Arbeits- und Proberäumen schaffte der Verein auf dem ehemaligen Armeegelände auch wieder einen Vereinsraum für Veranstaltungen. Bis Ende 2018 gilt der Mietvertrag vorerst. Dann will ein Investor die Gebäude auf dem Gelände abreißen und auf noch unbekannte Weise neu bebauen. Rebecca Rabatt vom Panorama e.V. zeigte sich erleichtert, endlich fündig geworden zu sein: „Wir haben dutzende Gebäude angeschaut, aber in den Gebieten, die für uns möglich waren, ist die kulturelle Nutzung in der Regel ausgeschlossen gewesen.“ Durch den Ausschluss der kulturellen Nutzung im Bebauungsplan vieler Karlsruher Gewerbegebiete, musste der Verein bereits die Halle 14  im Rheinhafen aufgeben,  da nötige Brandschutzmaßnahmen nicht durchgeführt werden konnten. Für das C-Areal liegt dagegen noch kein Bebauungsplan vor. „Wir haben Glück, auf diesem Gelände arbeiten und experimentieren zu können“, so Rabbat.

Auf demselben Gelände bangt das „Bandprojekt“ um seine Zukunft. Bereits seit 2006 bietet der Verein „Rock Initiative Karlsruhe e.V.“ hier Proberäume für über 100 Musiker*innen. Ende 2017 läuft der Mietvertrag aus. Bereits seit Jahren sucht der Trägerverein nach neuen Räumlichkeiten. Zu hohe Mietforderungen und zu kurze Mietzeiten, für die sich die Investitionen nicht rechneten, nennt der Vorsitzende Klaus Bluck als Hauptgründe der Erfolgslosigkeit. Gebiete, in denen es auch mal lauter werden kann, seien ohnehin Mangelware in der Stadt. Im Vergleich zu anderen Städten sei das Interesse der Stadtpolitik an junger Musik in Karlsruhe gering. Dabei wünscht sich der Verein nur infrastrukturelle Unterstützung bei der Suche nach passenden Gebäuden. Finanzielle Unterstützung sei nicht nötig, so Bluck. Auch auf dem Alten Schlachthof hat sich der Verein umgesehen. Hier sei aber alles „vergoldet“ und damit unbezahlbar für seine Initiative geworden.

Kein Mut für Wildwuchs

Auf „eigenen“ Flächen wie dem Tempel-Gelände oder dem Alten Schlachthof zurückgedrängt und in den für laute Kultur noch verträglichen Gewerbegebieten ausgeschlossen – freien Kulturinitiativen fehlt es vor allem an Platz und Raum in der Stadt. Manch Kulturschaffender wünscht sich eine stärkere kulturelle Nutzung der Innenstadt, wie beispielsweise in der Kaiserpassage. Die Stadtverwaltung berät aktuell über die Nutzung des Geländes südlich des Hauptbahnhofs als „Kultur- und Kreativpark“. Klaus Bluck befürchtet hier einen zweiten Schlachthof, der für die meisten Kulturschaffenden nicht bezahlbar sein wird. Die Stadtverwaltung lässt sich von dem Architekturbüro beraten, das schon den „Alten Schlachthof“ geplant hat. Auch Jakob Siegmund befürchtet, dass der Mut fehlen wird, um dort wirklich Kreativität Raum zu lassen. Dafür brauche es einen gewissen „unkontrollierten Wildwuchs“, der frei wachsen muss und nicht am Reißbrett geplant werden kann.

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