Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Schwerpunkt

Kulturaustausch

Interview über Licht und Kultur im Kalifornien Deutschlands

Du machst Lichtinstallationen und hast ein eigenes Studio in der Oststadt. Du hast unter Anderem bei mehreren „Schwein gehabt“ Festivals und in der Fettschmelze ausgestellt. Was verbindet dich sonst noch mit dem Areal alter Schlachthof?

Betty Rieckmann: Ich arbeite als Koch noch nebenbei in der Fettschmelze und ab und zu im Substage! Daher kenne ich natürlich das Gelände schon lange. Und man darf nicht vergessen, dass der Plüschi mit der alten Hackerei immer ein toller Ort ist um seinen Durst zu stillen!

Du stammst ursprünglich aus dem warmen Kalifornien. Was zog dich ins nicht ganz so warme Karlsruhe?

Betty Rieckmann: Meine Mutter hat hier in Deutschland nochmal geheiratet und wir Kindern mussten dann mit! Aber Karlsruhe ist ja immerhin die zweitwärmste Stadt Deutschlands!

Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene in Karlsruhe, auch auf deine Erfahrungen anderswo bezogen charakterisieren?

Betty Rieckmann: Klein aber fein! Ja hier ist schon einiges los! Karlsruhe hat eine angenehme Größe, dass alles doch gut überschaubar ist und man dadurch auch schnell Anschluss finden kann. Durch die Kunstakademie, die HFG und Musikhochschule wird Karlsruhe natürlich sehr künstlerisch geprägt!

Das Areal am alten Schlachthof gilt als einer der Kulturorte in Karlsruhe. Gibt es unter den künstlerischen Nutzenden, neben einer Koexistenz im „Kreativ-Gewerbegebiet“, auch eine Vernetzung, gemeinsame Projekte und gegenseitige Unterstützung?

Betty Rieckmann: Ja! also das K3 Büro hat verschiedene Marketing Veranstaltungen und das jährliche Schwein gehabt zieht natürlich auch viele Besucher auf das Gelände. Man profitiert auf jeden Fall von den umliegenden Nutzern und deren Kundschaft!

Wie funktioniert die Atelier- und Raumnutzung dort was Kosten, Belegung und Auswahl angeht?

Betty Rieckmann: Man muss sich bei der Fächer GmbH bewerben und wird dann zum Gespräch eingeladen und von einer Jury befragt! Es darf somit natürlich nicht jeder einziehen und so wird die Vielfältigkeit der Nutzer gewährleistet. Von Filmproduktion bis Schreiner ist alles da! Es ist nicht ganz so günstig aber die Lage ist natürlich top.

Der Schlachthof beschreibt sich selbst als „eine Plattform, die die Nutzerinnen und Nutzer frei und kreativ gestalten können und damit dem Areal auf individuelle Art neues Leben einhauchen“. Wird er aus deiner Sicht diesem Anspruch gerecht?

Betty Rieckmann: Ja das finde ich schon! Wie schon gesagt sind wir ein bunter Haufen und es wird einiges über das hinweg Jahr angeboten!

Vielmals werden bei der Beschreibung des Kulturbereichs Begriffe wie Kommerzialisierung und Institutionalisierung, teils negativ belegt verwandt. Was kannst du mit den Begriffen anfangen? Siehst du einen Widerspruch zwischen kommerzieller Kultur und Kollektiven? 

Betty Rieckmann: Ich fühle mich auf dem Schlachthof Gelände wohl und profitiere von der „kommerziellen Kultur“, auch wenn ich ja eine freie Lichtkünstlerin bin. Ich sehe hier keine negative Seite, sondern finde das Kollektiv spannend. Trotzdem wird man auch als selbstständiger Nutzer wahrgenommen.

Wie schätzt du die Wichtigkeit institutioneller Kulturförderung, beispielsweise über Stadtämter ein? Siehst du eventuelle eine Gefahr darin für die freie Entfaltung – sprich einen Konflikt zwischen Institutionalisierung und Independence?

Betty Rieckmann: Jein! Kultur ist immer subjektiv! Es werden immer Entscheidungen fallen, mit denen man nicht immer einverstanden ist. Daher finde ich es wichtig, dass es eben auch andere Fördermöglichkeiten, gibt, die nicht an die Stadt gebunden sind. Somit bleiben wir auch freier!

Wie siehst du deine jetzige Situation? Bis du zufrieden? Hast du deine Ziele erreicht? Welche Ziele hast du noch? 

Betty Rieckmann: Ja ich bin zufrieden und habe natürlich noch einiges vor mir! Meine Ziele sind meine Kunst umzusetzen, was ich ja mache! Und jeder Künstler weiß ja:Man muss einfach am Ball bleiben! Es gibt manchmal härtere Zeiten und auch gute. So ist das Leben einfach.

Vielen Danke für die Einblicke. Die Fragen stellte Benedict Holbein von der Redaktion.

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