Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtleben

„Bewegt euch! 1968 und die Folgen in Karlsruhe“

Sonderausstellung im Stadtmuseum

Demonstration der politischen Hochschulgruppen gegen die zweite Lesung des Notstandsgesetzes im Bundestag. Menschenmassen auf dem Schlossplatz und Richtung Marktplatz mit Transparenten gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze, 16. Mai 1968. (Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A15/176/7/28a)

2018 sind die 68er immer wieder präsent; es erscheinen Publikationen zur Bewegung und den daraus folgenden sozialen Veränderungen, Interviews mit Zeitzeug*innen und in vielen Städten Ausstellungen zum Thema. Auch in Karlsruhe wird es eine Ausstellung zur 68er Bewegung geben. Die Vernissage ist am 26.04.2018 im Stadtmuseum im Prinz- Max- Palais.

Alexandra Kaiser (Kulturwissenschaftlerin) und Jürgen Schuhladen-Krämer (Historiker) waren maßgeblich an der Gestaltung der 68er Ausstellung beteiligt. Als Teil des Ausstellungsteams (AT) haben die beiden im gemeinsamen Gespräch unsere Fragen rund um die Sonderausstellung beantwortet.

Druckschrift: Ihr habt im Spätsommer 2017 mit der Arbeit an der 68er Ausstellung begonnen. Wie seid ihr vorgegangen? Und was ist das Besondere an der Karlsruher Ausstellung?

Alexandra Kaiser/ Jürgen Schuhladen- Krämer (Ausstellungsteam): Wir fanden es interessant, nach den Spuren zu suchen, die die 68er Bewegung in Karlsruhe hinterlassen hat. Auch wenn Karlsruhe vielleicht kein Brennpunkt der Bewegung war, hatte sie Auswirkungen auf das politische Leben in Karlsruhe. Das hat selbstverständlich nicht 1968 begonnen und wieder aufgehört, sondern muss in einem größeren zeitlichen Zusammenhang gesehen werden. In den Archiven findet sich durchaus Material, aber allein aus den Akten lässt sich das Thema nicht abbilden. Wir hatten dann die Idee, Menschen anzusprechen, die diese Zeit selbst miterlebt haben und in den unterschiedlichen sozialen und politischen Bewegungen aktiv waren. Auf einen entsprechenden Aufruf haben sich viele unterschiedliche Menschen gemeldet, die bereit waren, mit uns gemeinsam an der Ausstellung zu arbeiten. In einer Art Schneeballprinzip kamen immer mehr Interessierte und auch Material zusammen.

DS: Es ist also partizipativ, in Teamarbeit, eine Ausstellung entstanden. Wo liegt der Schwerpunkt?

AT: 1968 war Auslöser und Katalysator für ganz unterschiedliche soziale und politische Bewegungen und Grundlage einer emanzipatorischen, antiautoritären Haltung gegenüber Staat, Politik und Gesellschaft insgesamt. Es ist sehr schwierig, das vollständig abzubilden, deshalb haben wir Wert auf den Lokalbezug zu Karlsruhe gelegt. Wir wollen Ereignisse, Gruppen, Aktionen und Netzwerke zeigen, die für diese Stadt wichtig waren und es heute noch sind. Auch wenn manches nur schlaglichtartig beleuchtet werden kann, wird die Vielfalt und Buntheit sichtbar. Die Darstellung unterschiedlicher politischer Aktivitäten zeigt relevante Themen und Entwicklungen, die bis heute nachwirken. Wir wollen zeigen, darstellen, sichtbar machen, weniger bewerten. Es wird aber deutlich, dass 1968 ein gemeinsamer Bezugspunkt ist, ein Emanzipationsansatz, der Veränderungen möglich gemacht hat.

DS: Was erwartet Besucher*innen in der Ausstellung? Viele Flugblätter?

AT: Flugblätter, Broschüren und Plakate gibt es natürlich zu sehen, das ist schon etwas textlastig. In einem Raum kann man sich intensiv mit Texten befassen, eine kleine Bibliothek nutzen und Themen vertiefen. Wir haben aber auch einen Raum konzipiert, indem man sich Interviews mit Zeitzeug*innen anschauen kann. Geplant sind auch Führungen durch die Ausstellung mit Aktivist*innen, die ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen schildern werden. Zusätzlich wird es ein Begleitprogramm zur Ausstellung geben, wir möchten Stadtrundgänge anbieten, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen und Filmbeiträge in Zusammenarbeit mit der Kinemathek.

DS: Diese Ausstellung vorzubereiten, war sehr zeitintensiv und bedeutet viel Arbeit. Was bleibt euch besonders in Erinnerung?

AT: Die Zusammenarbeit mit so vielen unterschiedlichen Menschen ist manchmal anstrengend, aber immer interessant. Wir sind begeistert, dass wir so viel Material zur Verfügung gestellt bekommen haben und dass es so viele engagierte Mitstreiter*innen gibt, die konstruktiv mit uns zusammengearbeitet haben und die die Ausstellung lebendig werden lassen. Für die Gestaltung der Räume im Prinz- Max- Palais und für die Aufbereitung des Materials haben wir mit Student*innen der Hochschule für Gestaltung zusammengearbeitet. Es war ein intensiver Prozess, Inhalt und Form zusammen zu bringen und wir freuen uns über den frischen Wind, den die Student*innen eingebracht haben. Bei der Arbeit an der Ausstellung haben wir immer wieder erlebt, dass gerade junge Menschen ihre aktuelle politische Arbeit durchaus in Bezug zur 68er Bewegung setzen, das hat uns positiv überrascht.

DS: Welche Erwartungen verknüpft ihr mit der Ausstellung?

AT: Wir können uns vorstellen, dass Kritik von Besucher*innen kommt, denen die Ausstellung vielleicht zu „politisch“ ist. Genauso ist es denkbar, dass anderen die Inhalte nicht ausführlich genug dargestellt sind oder sie Aspekte der 68er Bewegung vermissen. Vielleicht kann die Ausstellung aber zu einem Ort der Begegnung werden, an dem unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Diskussionen führen und Impulse bekommen, was die aktuellen politischen Auseinandersetzungen und Bewegungen betrifft. Die Veränderungen, die durch die 68er Bewegung angestoßen wurden, wirken bis heute nach. Und viele Themen, die damals aktuell waren, sind es auch heute noch. Wir hoffen, dass ein Sichtbarmachen der verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen zur Vernetzung mit aktuellen Bewegungen führt.

Also schon mal vormerken: Die Eröffnung der Ausstellung ist am Donnerstag, dem 26. April um 19:00 im Stadtmuseum!

DS: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Basisinformationen zur Ausstellung 

Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais
Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe

Laufzeit 27. April bis 14. Oktober 2018

Öffnungszeiten:
Di, Fr: 10.00 – 18.00 Uhr
Do:     10.00 – 19.00 Uhr
Sa:     14.00 – 18.00 Uhr
So:     11.00 – 18.00 Uhr

Mehr Infos unter:
www.karlsruhe.de/karlsruhe1968

 

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