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Initiativen

Courage in Karlsruhe

Schulprojekttage gegen Halbwissen und tiefsitzende Vorurteile

Courage Projekttag am 21.05.2015 an einer Karlsruher Schule. (Foto: Benedict Holbein)

Segelboot, Krankenschwester, Hip- Hopper, Franzose und Bayer: Beim Spiel Bilder über Bilder erraten die SchülerInnen der Abschlussklasse in der Werkrealschule schnell die gemalten Begriffe ihrer KlassenkameradInnen, dank Bildern wie Zwiebelbart, Maaskrug oder Haube mit Kreuz. Auf die spielerische Weise und mit anschaulichen Beispielen erarbeiten die 13 SchülerInnen gemeinsam mit den Teamern Martin und Tom von Courage die Begriffe Klischee und Vorurteil – die Stufen hin zur Diskriminierung. Gemeinsam werden Merkmale von Diskriminierung und Folgen für Betroffene diskutiert und die Ergebnisse auf Stellwänden festgehalten. Die SchülerInnen merken schnell: „Jeder kann von Diskriminierung betroffen sein“ und das Beispiel Mobbing kennen alle.

Halbwissen und tiefsitzende Vorurteile

„Diskriminierung aufgrund von Religion, Kultur, Hautfarbe oder Herkunft nennt man Rassismus“, leiten die Teamer ein. Zu Beginn des Projekttags über Rassismus ist die Stimmung noch gelassen, die SchülerInnen geben sich zurückhaltend. Ein kurzer Film lässt die Stimmung kippen. Darin äußern befragte Anwohner einer geplanten Flüchtlingsunterkunft ihre Vorurteile und Ängste. „Wir benutzen den Film immer, um die SchülerInnen aus der Reserve zu locken“, erklärt mir Martin. Es funktioniert. In Aussagen wie „Die Asylanten klauen Fahrräder, zerstören Gelände und Sportplätze“ treten nun die Vorurteile deutlich zu Tage. Interessant dabei ist, dass immer wieder Erzählungen Dritter „ Ich kenne jemand, der…“ und angebliche Fakten „Ich habe irgendwo gelesen, dass…“ angeführt werden, um die zum Teil haarsträubenden Geschichten zu belegen. Da wird von angeblichen Begrüßungsgeschenken für Flüchtlinge, kleinen Mädchen, die Vergewaltigungsopfer in die Falle locken und raffinierten Methoden für Handy- und Fahrraddiebstähle erzählt. „Die kommen nur, um abzukassieren“ und „Die sollen sich benehmen“ ist zu hören. Dass Asyl in Deutschland nur aufgrund religiöser, politischer oder sexueller Verfolgung erteilt werden kann, weiß dagegen niemand. Gegen das vorherrschende Halbwissen argumentativ durchzudringen bereitet den Teamern große Mühe. Mit Fakten über Flüchtlingszahlen, deren Rechte und Unterbringungssituation versuchen sie aufzuklären, mit Erzählungen von Krieg und Überfahrt appellieren an sie das Mitgefühl der SchülerInnen. In den Pausen besprechen sie immer wieder ihre Taktik. „Nicht alles glauben, was man hört, sondern Dinge hinterfragen“, warnen die beiden. Vor allem in sozialen Netzwerken verbreiteten sich falsche Behauptungen schnell. Auch beim abschließenden Thema Alltagsrassismus zeigen sich tiefsitzende Ängste – auch davor aktiv zu werden, denn man könne sowieso nichts tun oder sogar selbst zum Opfer werden. Der Appell von Courage lautet: „Nicht wegsehen, sondern eingreifen, wenn Menschen diskriminiert werden!“

Bei der anschließenden Feedback- Runde mit der Klassenlehrerin ist die sich sicher: „Viele der Vorurteile kommen auch von den Eltern.“ Ob sie die SchülerInnen überzeugt haben, wissen sie die Teamer nicht, aber sind sich einig: „Wenn wir nur eine Person dazu gebracht haben, sich Gedanken zu machen, war es ein Erfolg.“ (bh)

Netzwerk für Demokratie und Courage

Das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) ist ein bundesweites Netzwerk, dass von jungen Leuten getragen wird und sich für Demokratieförderung und gegen menschenverachtendes Denken engagiert.

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n.kaiser@lago-bw.deZur Webseite

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