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Bilderrätsel

Das ehemalige Verlagsgebäude des „Volksfreund“

Auflösung des Bilderrätsels #4

Die Zeitung „Der Führer“ übernahm 1935 auch die Räume der „Badischen Presse“ in der Lammstraße. Zur Nutzung des Gebäudes in der Waldstraße 28 in den Jahren danach lässt sich wenig finden. Offensichtlich wurde es aber in der Zwischenzeit zerstört, denn die Badische Abendzeitung berichtete am 27.Mai 1950 vom Wiederaufbau des Verlagsgebäudes der „Badischen Abendzeitung“ und „Karlsruher Verlagsgesellschaft“. (Foto: Stadtarchiv Karlsruhe)

In der vergangenen Ausgabe war eine aktuelle Aufnahme des Gebäudes in der Waldstraße gezeigt. 1933 kam es zur Vertreibung der sozialdemokratischen Zeitung „der Volksfreund“ aus dem Verlags- und Druckereigebäude. Die Nazis eigneten es sich an druckten dort die Zeitung „der Führer“.

Auslöschung der freien Presse

Mit dem Verbot und der Übernahme von Zeitungen und schließlich der Bücherverbrennung wurde ab 1933 auch in Karlsruhe sukzessive die Gleichschaltung der Presse vorangetrieben.

Die sozialdemokratische Zeitung „Der Volksfreund“ erschien 1899 erstmalig in Karlsruhe. Zuvor wurde sie in Offenburg herausgegeben.  Druckerei und Verlagsgebäude befanden sich in der Waldstraße 28. Bis zu ihrem Verbot 1933 war sie eine von neun Zeitungen in Karlsruhe.

 „Der Volksfreund“ als Feind der nationalsozialistischen Propaganda

Bereits bevor die Übernahme und Gleichschaltung der Presse vollzogen war, zeigte sich die Mehrheit der Zeitungen zurückhaltend mit Kritik an der politischen Entwicklung und der NSDAP. Anders „der Volksfreund“, der sich mit deutlicher Kritik und Polemik zum Feind der Nazipropaganda machte. „Die sozialdemokratische Koalition läßt sich in ihren politischen Entscheidungen weder durch taktische Manöver der Nationalsozialisten noch der Kommunisten auch nur irgendwie beeinflussen.“ (Volksfreund, Recklinghausen 10.10.1930). Darum war die Zeitung eine der ersten auf der Abschussliste.  Trotz Protest des zu der Zeit noch amtierenden badischen Innenministers Erwin Umhauer (Deutsche Volkspartei) und der Landesregierung wurde der Volksfreund auf Druck vom Reichsinnenministerium unter Wilhelm Frick (NSDAP) und Propagandaminister Goebbels im Februar 1933 für drei Tage verboten.

Am 6. März, drei Tage vor der Übernahme der badischen Landesregierung durch die Nazis mit Reichskommissar Robert Wagner (ab 11.03.1933 Staatspräsident und Innenminister in Baden) an der Spitze,  versammelte sich eine Menschenmenge unter Anheizung von SA Leuten vor dem Verlagsgebäude und dem Volkshaus der SPD in der Schützenstraße. Unter dem Druck der Massen und auf Anordnung des Innenministeriums wurde die Dreipfeilfahne, Symbol der sozialdemokratischen Kräfte im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, eingeholt.

Übernahme des Verlagsgebäudes und Verhaftung von Redakteuren

Am 10. März, Tag des Rücktritts der Landesregierung Baden wird das Verlagsgebäude in der Waldstraße schließlich besetzt und Redakteur Sally Grünbaum in „Schutzhaft“ genommen. Grünbaum und weitere Sozialdemokraten, darunter Ludwig Marum und Adam Remmele (Badischer Innenminister von 1919-1929), wurden später im Mai bei einer Schaufahrt durch Karlsruhe vor einer enthemmten Menschenmenge gedemütigt, bevor sie ins KZ Kislau gebracht wurden.

Das Druckerei- und Verlagsgebäude in der Waldstraße wurde fortan von der NSDAP-Zeitung „Der Führer“ genutzt, die die Übernahme am 06. Mai selbst bekannt gibt.

Einleitung der Pressegleichschaltung

Während der von der Hitlerjugend ausgerufenen „Kampfwoche“ wurden in Karlsruhe ab dem 14. Juni 1933 Buchhandlungen und Bibliotheken durchsucht und  Bücher und Zeitungen „nicht-arischer“ und marxistischer Autoren eingesammelt. Am 17. Juni fand in einem martialisch inszenierten Festakt zur Sonnwende auf dem Schlossplatz eine Bücherverbrennung statt.  Am „Scheiterhaufen“ vor dem Karl-Friedrich-Denkmal vor „Liederschmetterndem Jungvolk, singenden Mädels des B.d.M. Lachenden Gesichtern“ („Der Führer, 18.06.1933) hält der Kultusminister in Baden Otto Wacker (NSDAP) die einleitende Rede dazu.

Das Schriftleitergesetz, dass Am 4. Oktober erlassen und wodurch rund 1.300 Journalisten ihre Berufsausübung untersagt wurde, setzte schließlich die Gleichschaltung der Presse offiziell durch.

Die mit dem Verbot und der Übernahme des „Volksfreund“ und anderer Zeitungen eingeleitete Auflösung der Pressefreiheit und die Gleichschaltung der Medien waren nunmehr vollständig umgesetzt. (bh)

 

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