Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Initiativen

Das ReparaturCafé in Karlsruhe

Eine Initiative des Quartier Zukunft stellt sich vor

Fingerspitzengefühl gefragt am Reparaturtag (Foto: Y. Küpper, C. Waitz, S. Meyer-Soylu)

Der Wunsch, etwas Konkretes um seiner selbst willen gut zu machen, ist laut dem Soziologen Richard Sennett tief in der Psyche eines jeden Menschen verankert. Übertragen in die Arbeitswelt heißt das, dass ein Tuender, sein Tun und das Resultat seines Tuns eng miteinander verknüpft sein müssen. Tatsächlich sind heute die Arbeitsprozesse derart zergliedert und entkoppelt, dass der Tuende die Verbindung zu den Gegenständen oder Dienstleistungen, die er selbst (mit-)produziert, komplett verliert. Damit einhergehend schwindet auch die Wertschätzung gegenüber anderen Produkten. Hauptsache schnell und auf dem neuesten Stand – kurz: Stetiger Neuerwerb und gedankenloser Konsum. Das neue IPhone ist auf dem Markt und das alte hat einen Kratzer auf dem Display? Der Kissenbezug ist gerissen und Ikea hat gerade die neue Kollektion herausgebracht? Konsum ist Zeitgeist.

Doch es gibt auch eine Gegenbewegung. Menschen, die sich einen bewussteren und achtsameren Umgang mit Gegenständen, Wissen und im sozialen Zusammenleben wünschen, haben im Rahmen von „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ das erste ReparaturCafé in Karlsruhe initiiert. Das Quartier Zukunft – Labor Stadt ist ein kooperatives Stadtforschungs- und Stadtentwicklungsprojekt des KIT und dort am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ( ITAS) angesiedelt. Es zielt darauf ab, die Oststadt in Karlsruhe in einem offenen und langfristig angelegten Prozess in ein nachhaltiges Stadtquartier zu transformieren.

Mit dem ReparaturCafé wird ein Zeichen gegen das Wegwerfen und den vorschnellen, oftmals unnötigen Erwerb neuer Produkte gesetzt. Das ReparaturCafé ist jedoch mehr als nur das einfache Reparieren von Gegenständen: Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. ExpertInnen und die BesitzerInnen der kaputten Gegenstände reparieren diese gemeinsam. So entsteht gleichzeitig ein Bewusstsein dafür, was es bedeutet, Dinge wieder (selbst) zu reparieren und das dazu nötige Wissen kann an passender Stelle weiter gegeben werden. In Karlsruhe hat das Quartier Zukunft bereits sechs ReparaturCafés in der Oststadt von Karlsruhe durchgeführt. Mittlerweile gab es auch schon eines in der Weststadt. Das ReparaturCafé ist offen für alle TeilnehmerInnen und regt zur Beteiligung an.

Durch den ressourcenschonenden Umgang beim Reparieren von Gegenständen wird Müll vermieden und dadurch Lebensbedingungen verbessert. Aussortierte Laptops würden sonst zum Beispiel nach Accra, in die Hauptstadt von Ghana, auf einer Müllkippe für Elektroschrott gelangen. Die Lagune ist bekannt als „Toxic City“, einer der giftigsten Orte der Welt.
Das Konzept vom ReparaturCafé kämpft dagegen an und ist bundesweit bekannt. In Deutschland gibt es ReparaturCafés schon in mehr als 30 Städten, seit 2009 das erste ReparaturCafé entstand. Dabei spielen nicht nur Fragen des alltäglichen Gebrauchs und Wiederverwendens eine große Rolle, sondern auch die soziale Komponente, die das ReparaturCafé als Raum für Begegnungen begreift.

Gerade Karlsruhe eignet sich mit seiner hohen Studierendenzahl, als Technikstandort und der einhergehenden Kreativität als Raum für solche Begegnungen. Das Quartier Zukunft begleitet diesen Prozess auch wissenschaftlich und untersucht, inwiefern diese Impulse zu einem achtsameren Leben auch zu mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit führen.

Am 19.09.2015 findet ein ReparaturCafé in der Weststadt statt, der nächste Oststadttermin ist der 07.11.2015 (12-18:00 Uhr) im Kinder- und Jugendhaus in der Rintheimerstr. 47 statt. Weitere Informationen finden sich unter: www.quartierzukunft.de. Bei Interesse können Interessierte eine Email an die Organisatoren schreiben: info@reparaturcafe-karlsruhe.de.

Quartier Zukunft

Das kooperative Stadtforschungs- und -entwicklungprojekt Quartier Zukunft – Labor Stadt zielt darauf ab, ein bestehendes Stadtquartier von Karlsruhe in einem offenen und langfristig angelegten Prozess in ein nachhaltiges zu transformieren. Zentral dafür ist das gemeinsame Wirken der gesamten Stadtgesellschaft, vor allem der Bürgerinnen und Bürger.

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info@quartierzukunft.deZur Webseite

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