Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Debatte

Debatte: die Anstoß e.V.

Soziokulturelle Begegnung in ungenutzten Räumen

Ein Beitrag erreichte uns von die Anstoß e.V. Diese unabhängige Initiative setzt sich dafür ein, leerstehende und wenig genutzte Flächen sowie bis dato unbeachtete Räume mit Potenzial für soziokulturelle Begegnungen zu nutzen. Sie wünschen sich die Belebung dieser Orte.

Unkonventionell, aber durchaus zulässig und übersichtlich erhielten wir nachstehende stichwortartige Sammlung:

Was wir verfolgen und durch unsere Aktionen unterstützen:

  • einen Beitrag zur Urbanen Vielfalt leisten
  • Schaufenster für Subkultur und Unkonventionelles jenseits von Profit
  • Innenstadt für alle: Wiederbelebung ungenutzter zentraler Orte als Freiraum für alle
  • bezahlbare Freiräume für die Kreativszene
  • Denkanstöße und Möglichkeiten für die (kulturelle) Einbeziehung von allen Bürger*innen, unabhängig von sozialem Status
  • Neue Schnittstellen zwischen Politik, Forschung und Kultur

Im Übrigen haben wir folgende Wünsche, Forderungen oder Idealvorstellungen:

  • Gentrifizierung und Segregation verhindern: Mietpreisbremse verschärfen
  • Verpflichtender Leerstandsmelder als Plattform und um Nicht-Nutzung zu minimieren
  • Clubsterben und Clubverdrängung verhindern – Stichworte: Kulturelle Nutzung im Gewerbegebiet, Änderung des Flächennutzungsplans von 1986
  • Urbane Sperrzonen im Nord-Süd-Korridor aufheben und nutzbar machen (Bundesverfassungsgericht, Zoo)
  • „Defensive Architecture“ auf öffentlichen Plätzen verbieten – also eine Architektur, die bewusst ungemütlich gestaltet ist
  • Entkommerzialisierung der Stadt, beispielsweise Hinterfragung von großformatiger Plakatwerbung im Gegensatz zu illegalisierter Street Art/Graffiti.
  • Kostenlose Sitzgelegenheiten und Toiletten an zentralen Orten, beispielsweise am Schlossplatz oder am Ludwigsplatz
  • Abschaffung monofunktionaler Konsumorte
  • Stärkung des Rechts auf Mitgestaltung, z.B. durch „Sense-of-ownership“-Projekte. Heißt: Durch Einbeziehung der Zivilgesellschaft in kommunale Projekte eine stärkeres Bewusstsein für die eigene Verantwortung entwickeln. Hinwirken auf die Re-Politisierung der Stadtgesellschaft.
  • Soziokulturelles Zentrum, das Experimente erlaubt
  • Bessere Informationspolitik zu Themen öffentlichen Interesses
  • Kostenloser oder nahezu kostenloser Nahverkehr
  • Entkriminalisierung alltäglichen, zurzeit aber illegalen Verhaltens (Containern, Foodsharing, repressive Drogenpolitik, Street Art)
  • Entschleunigung (G8, Bachelor-Master)

Christian, Adrian, Jessi und die Anstoß e.V.

Politik ist sicherlich kein Wunschkonzert, die Diskussion, eine Politik der Zukunft zu gestalten hingegen schon! Schreibt Konkretes, Utopisches, Abstraktes, Projektbezogenes, Großes und Kleines an: redaktion@druckschrift-ka.de. Vielleicht entsteht sie so – aus dem Puzzle der unterschiedlichen Beiträge und Stimmen –  die Politik der Zukunft.

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2 Kommentare

  1. Kampagnen dieser Art sind mir nicht neu. In der Krise 2008ff kamen diese auch hoch. Für die Immobilienbranche war das gar nicht mal so negativ. Diese konnte damit die vielen Leerstände durch wegsterbende Läden verstecken lassen. Eine weitgehend leere Passage wirkt wenig einladend auf potentielle Mieter. Da kommen Kunstinitiativen gerade richtig, um diese Lücken zu füllen und zu verstecken. Diese machen das besser und für den Vermieter preiswerter, sogar ein bisschen lukrativ, als es jeder Vermieter könnte. Sobald der Markt wieder anzieht haben diese Initiativen aus Sicht der Vermieter ihren Zweck erfüllt und fliegen wieder raus.

  2. Lieber Uwe,
    danke für Deinen Kommentar zu unserer holzschnittartigen Themensammlung. Die von dir angesprochene Problematik wird auch bei uns immer wieder diskutiert:

    Wie kann man sich gegen Gentrifizierung aussprechen und durch eigene Projekte, wenn auch unabsichtlich, diese gleichzeitig „beschleunigen“?
    Es wird etwas leicher, diesen Widerspruch zu behandeln, wenn man die Frage umdreht:
    Wenn jedes Projekt, welches zur Verbesserung der Lebensqualität der Stadt beiträgt, auf lange Sicht vermeintlich zu einer Verdrängung der sozial schwachen aus der Stadt führt, wäre es dann nicht besser, auf diese Aktivitäten ganz zu verzichten?

    Städte verändern sich ständig, egal ob junge Initiativen wie die Anstoß e.V. wir in diesen Prozess eingreifen, oder nicht. Wir können lediglich einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, wie und in welche Richtung die Transformation stattfindet. Daher bemühen wir uns, ein vielfältiges Programm zu erhalten, was neben Veranstaltungen wie Kunstausstellungen – auf die wir sehr stolz sind, gleichzeitig üblicherweise aber von einem enger gefassten Personenkreis besucht werden – auch niederschwelligere Projekte wie beispielsweise den „Parking Day“ bietet. Dort, aber auch in unserem Stadtentwicklungskonzept „Karlsruhe braucht eine soziale Vision“ (http://dieanstoss.de/neu/soziale-vision-karlsruhe/) werden genau diese sozialen Fragestellungen aufgegriffen, diskutiert und Lösungsansätze skizziert. Dass wir mit unseren Projekten lediglich „der Immobilienbranche“ einen Gefallen tun und dadurch am Ende die Mietpreise weiter anheizen, ist daher in meinen Augen eine verkürzte Sichtweise die dabei hilft, Kulturschaffende und sozial Benachteiligte gegeneinander auszuspielen – wo in Wirklichkeit eine faire Sozial- und Wohnpolitik gefragt wäre!

    Die obenstehende Frage ist daher von mir gleich doppelt zu verneinen: Nein, wir möchten nicht auf unsere Projekte, zu der kulturelle Zwischennutzungen dazugehören, verzichten. Nein, wir glauben nicht, dass unsere ehrenamtliche Arbeit zu sozialer Verdrängung beiträgt – ganz im Gegenteil. Ein Indiz, neben dem vielen positiven Zuspruch von Besuchern, Passanten, Nachbarn und Freunden, ist das immer bunter werdende Publikum bei unseren bewusst erschwinglichen Veranstaltungen: Für uns fühlt sich das nach Inklusion an, nicht nach Segregation. Trotzdem werden wir unsere Rolle in dieser Hinsicht natürlich weiterhin kritisch beobachten und freuen uns über weitere Beiträge zu dieser und anderen Diskussionen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Adrian

    P.S. Hier wird meine persönliche Meinung wiedergegeben, nicht notwendigerweise die Meinung von die Anstoß e.V.

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