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Ökologie

Karlsruher Atomtage 2017

Wiedereinstieg mit Thorium?

(Bild: BUND e.V. Regionalverband Südlicher Oberrhein)

Vom 6. bis 8. Juli luden Sylvia Kotting-Uhl und die Grünen zu den dritten Karlsruher Atomtagen in den Ziegler-Saal ein. Erneut war es ein rundes Programm mit kompetent besetzten Podien, einem Atomfilm im Vorfeld, Jugendforum und Exkursion – diesmal zum KIT. Fünf Jahre vor dem Abschaltdatum der letzten Atomkraftwerke diskutierten Experten über die Energiewende und die Energie der Zukunft. Wo steht Deutschland beim Atomausstieg – wo Europa? Bei den Debatten zum Stand der Endlagersuche und zum AKW Philippsburg bezogen auch VertreterInnen des Atomtage-Jugendforums deutlich Position. Das Thema „Wiedereinstieg mit Thorium?“ beunruhigt viele. Spontan fand sich dazu ein Arbeitskreis zusammen.

Kommentar

„Wiedereinstieg mit Thorium?“

Die Veranstalter der Karlsruher Atomtage 2017 hatten sich vergeblich bemüht, einen Vertreter des KIT zu diesem Thema zu gewinnen. Gibt es da etwas zu verbergen? Die drei Referenten Thomas Partmann (Attac), Helmut Lohrer (IPPNW) und Harry Block (BUND) meinten, dies sei der Fall. Sie legten aus verschiedenen Blickwinkeln dar, dass die oft als ungefährlich und zukunftsweisend gepriesene Reaktor-Technologie mit dem Rohstoff Thorium trotz inzwischen weltweiter Forschung und Verbreitung keineswegs als sicher erwiesen ist, dass sie vor Unfällen und Anschlägen aller Art nicht zu schützen ist, und dass bei der Erbrütung des Brennstoffs leicht waffenfähiges Uran 233 gewonnen und missbraucht werden kann.
Besonders bedenklich sei, dass die internationale Atomenergiebehörde IAEO diese Technologie massiv fördern wolle und dass in Karlsruhe grundlegende Forschungen dazu stattfänden – offiziell nur unter dem Dach des der EU-Kommission unterstehenden Joint Reserch Centre (früher ITU), praktisch aber in Zusammenarbeit mit Abteilungen des KIT. Auf frühere Anfragen von Attac betonten beide Institutionen, es gehe ihnen lediglich um die notwendige Sicherheitsforschung. Diese aber, so die Referenten der Atomtage, dient vor allem der Absicherung und Werbung für die neuen Reaktoren.

Viele Fragen sind ungeklärt: Proliferation in großem Maßstab? Neueinstieg durch die Hintertür? Wo bleibt die vielbeschworene Transparenz des KIT? Eine Initiative, die sich am Ende der Atomtage bildete, möchte erreichen, dass eine echte, öffentliche, objektive Technikfolgenabschätzung für die Forschungen in Karlsruhe durchgeführt wird. Sie beginnt Ende August mit ihrer Arbeit.

Kontakt zur Initiative:  ulochmann@web.de

 

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