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Arbeitswelt/Interview

Drucken in Selbstverwaltung

druckcooperative - seit 34 Jahren ohne Chef

„Drucken aus Leidenschaft.“ (Foto: druckcoop)

Die „druckcooperative“, die Druckerei im Gewerbehof, gibt es seit über 30 Jahren. Die sieben MitarbeiterInnen haben sich für das Arbeiten im Kollektiv entschieden und verwalten ihren Betrieb selbst, ohne Chef oder Chefin.

Wir wollten wissen, was den Unterschied zu einem herkömmlichen Betrieb ausmacht und haben Ulrike Günther und Anne Kempter, die in der druckcooperative arbeiten, dazu befragt. Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Judith Klötgen.

Wie lange gibt es die druckcooperative genau? Erzählt bitte etwas über die Anfänge.

Die druckcooperative wurde 1982 gegründet und hatte ihre Räumlichkeiten in der Klauprechtstrasse.  1987 kam die räumliche Erweiterung mit dem Umzug in den Gewerbehof, ein historisches Fabrikgebäude in der Steinstraße 23, das schon eine Tabakfabrik und eine Druckerei beherbergt hatte.

In den neuen, großzügigen Räumen konnten wir die Druckerei nicht nur professionell ausstatten, sondern in diesem neugegründeten Zusammenschluss selbstverwalteter Betriebe und Initiativen auch unser Ideal leben.

Warum habt Ihr euch damals für die Kooperative als Betriebsform entschieden?

Wichtig war schon den sechs Gründungsleuten, dass keine Entscheidungen „von oben“ diktiert werden, sondern alle in einem gleichberechtigten Miteinander arbeiten und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt war es, politische Inhalte unabhängig publizieren zu können. Was ohne „ChefIn“ leichter zu bewerkstelligen ist.

Wie muss man sich die Arbeit in einer Kooperative vorstellen? Wie werden Entscheidungen getroffen?

Im Arbeitsalltag heißt das, dass in regelmäßigen Besprechungen Aufträge, Abläufe und Anschaffungen geplant werden.

Für weitreichende Entscheidungen, die die Geschäftsführung betreffen, wie etwa große Investitionen oder Veränderungen in der Ausrichtung des Betriebes, findet ein Plenum statt. Entscheidungen fällen wir nach dem Konsensprinzip. Das bedeutet, dass alle Beschlüsse gemeinsam getroffen werden und auch nicht nach Mehrheiten entschieden wird. Alle müssen zustimmen. Die notwendigen Diskussionen können natürlich manchmal lang und zäh sein, aber bisher haben wir uns noch immer geeinigt.

Arbeiten alle alles?

Nein, nicht mehr. In den Anfangszeiten war das wirklich noch so. JedeR der momentan sieben GesellschafterInnen hat unterschiedliche Verantwortungs- und Tätigkeitsbereiche. Das ergibt sich schon aus den wirtschaftlichen und technischen Anforderungen. Wir sind ja keine Insel, sondern müssen konkurrenzfähig bleiben.

So erfordern z.B. Buchhaltung, Layout, Druck oder Weiterverarbeitung ganz verschiedene Qualifikationen und Erfahrungen. Wir sind also sozusagen alle SpezialistInnen.

Gibt es gleichen Lohn für gleiche Arbeit?

Wir zahlen uns tatsächlich alle den gleichen Stundenlohn, unabhängig von unseren Arbeitsbereichen, Qualifikationen, Dauer der Betriebszugehörigkeit oder Alter.

Wie ist eure betriebliche Situation? Wie geht ihr mit den Herausforderungen um? 

Generell ist ein Rückgang an Aufträgen und eine Veränderung in der Druckindustrie, wie beispielsweise die Vergabe von Druckaufträgen an Internetdruckereien, zu erkennen. Das geht natürlich auch an uns nicht spurlos vorbei.

Aber die enge Vernetzung mit der Karlsruher Kulturlandschaft und der politischen Szene kreiert einen Gutteil unseres Kundenstamms, der uns die Treue hält.

Außerdem sind wir durch unsere Lage in der Innenstadt gut zu erreichen, das heißt, die KundInnen können zu einer umfassenden Beratung oder zum Andruck persönlich vorbeikommen. Wir machen das Layout und übernehmen die Gestaltung der Daten – das kann eine große Internet Druckerei natürlich nicht leisten.

Wir danken euch für das Gespräch.

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