Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Initiativen

Erinnerungsstätte deutscher Freiheitsbewegungen

Von republikanischen Freiheitskämpfern lernen

Aufbruch in Lörrach (Foto: Michael Zoll)

Als dritter Präsident der Bundesrepublik Deutschland ist Gustav W. Heinemann der Überzeugung: Nur wer seine historisch-politischen Wurzeln kennt, kann sich als politisch mündiger „Aktivbürger“ einmischen und die staatliche und gesellschaftliche Ordnung mitgestalten.

Konzeption und Realisierung des Museums übernahmen Mitarbeiter*innen des Bundesarchivs. Die ständige Ausstellung ist historisch fundiert und präsentiert sich anschaulich, so dass die Freiheitsaspekte nicht nur kognitive, sondern auch emotionale Ebenen der Besucher ansprechen. Gustav Heinemann eröffnete im Barockschloss Rastatt die „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“ – kurz „Freiheitsmuseum“ – am 26. Juni 1974.

Die Ausstellungen im EG und OG sind chronologisch aufgebaut. Die Ausstellung im EG beginnt mit Basisinformationen über die Freiheitsbewegungen in der frühen Neuzeit. Aufgrund der feudalistischen Agrargesellschaft wird dies verdeutlicht anhand der Bauernunruhen und den Bauernkriegen 1524 – 1525. Ein größerer Zeitsprung führt uns zur Französischen Revolution 1789 und deren Ausstrahlung in westdeutsche Regionen („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“).  Die Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich führen zur nationalen Begeisterung, die durch die Vereinbarungen beim Wiener Kongress des europäischen Hochadels 1815 in Frustration umschlägt. Die deutschen Patrioten sind enttäuscht – statt eines machtvollen und demokratischen Nationalstaats ein Staatenbund. Kein Wort über die Garantie der bürgerlichen Freiheitsrechte! Nun wird der Bereich „Gesellschaftlicher Wandel und die soziale Frage“ thematisiert und die zentralen Probleme vorgestellt. Aufgrund der damaligen brisanten Konfliktfelder entwickelte sich die deutsche Revolution im Staatenbund an mehreren Orten. Eine Schlüsselrolle kam dem Großherzogtum Baden zu, denn der Beginn erfolgte dort: Am 12.09.1847 kamen im Offenburger Wirtshaus Salmen fast 900 Menschen zusammen, die die 13 „Forderungen des Volkes“ in einem Manifest verabschiedeten, was zu einem Schneeballeffekt führte. Sie verlangten politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte. Das Offenburger Programm gilt allenthalben als zentraler Text in der Demokratiebewegung. 1849 überschlugen sich die Ereignisse u.a. mit der Ablehnung der Kaiserwürde durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Dies führte zu regionalen Aufständen in Sachsen, Pfalz und Baden. Der Revolutionskreis schloss sich auf traurige Weise wieder in Baden: Mit der Kapitulation der Festung Rastatt am 23. Juli 1849 und der Hinrichtung zahlreicher revolutionärer Demokraten endete die deutsche Revolution. Der Freiheitskämpfer Max Dorn (Major in der badischen Revolutionsarmee) notiert in seinem Abschiedsbrief unmittelbar vor seiner standrechtlichen Erschießung: „Ich sterbe voller Freude und Mut, weil ich für die Befreiung des Volkes gekämpft habe!“

Heute müssen wir nicht sterben, aber kritisch, wachsam und aktiv im Sinne unserer republikanischen Verfassung sein. Seien wir uns bewusst, dass die Artikel der Verfassung Appellcharakter für den Volkssouverän und seine politischen Vertreter haben, und dass die gesellschaftliche Wirklichkeit in einem ständigen Prozess an unsere Verfassung angeglichen werden muss (und nicht umgekehrt).

Im OG werden die „Freiheitsbewegungen in der DDR 1949 – 1989“ vorgestellt. Die Ausstellung ist in folgende Themen strukturiert: Friedliche Revolution und Wiedervereinigung – Jugend zwischen Anpassung und Auflehnung – Freiheitsbewegungen in der DDR – Ministerium für Staatssicherheit.

Das Freiheitsmuseum hält ein umfangreiches pädagogisches Angebot für Lerngruppen und ihre Begleiter bereit. Schülerarbeitsmaterialien gibt es zu den Themen „Revolution 1848/49 (Ursachen, Verlauf, Folgen)“ und „Freiheitsbewegungen in der DDR 1949-89“.

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