Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Initiativen

Erntet, was ihr sät

Ein Karlsruher Gemeinschaftsgarten lädt zum Mitmachen ein

Raus in den Garten! (Foto: Katharina Wicke)

Das Thema urbaner Gartenanbau ist seit einigen Jahren in aller Munde. In dicht besiedelten städtischen Gebieten finden Gruppen zusammen, die ihre Naturverbundenheit und Freude am Gärtnern miteinander teilen möchten, in dem sie gemeinsam ihr eigenes “Grünzeug” anpflanzen. Diese Gärtner legen Wert darauf zu wissen, wo das Gemüse herkommt, das in ihren Kochtöpfen und Salatschüsseln landet. Sie wissen, dass keine Pestizide zum Einsatz kamen und das frische Gemüse keine kilometerlange Reise hinter sich hat.

Der Gemeinschaftsgarten

Auf einem Ackergrundstück unweit von Karlsruhe befindet sich ein Garten mit ca. 1.200 qm, der nach kurzer Winterruhe nun darauf wartet, wieder zum Leben erweckt zu werden. Zwischen alten Obst- und Nussbäumen sowie widerspenstigen Brombeer- und Brennnesselsträuchern wachsen hier, über eine ganze Gartensaison verteilt, die unterschiedlichsten Obst- und Gemüsesorten. Denn gemeinschaftliches, ökologisches und nachhaltiges Anbauen von Obst und Gemüse haben sich die Gemeinschaftsgärtner dieser Oase im Grünen auf die Fahne geschrieben. Gemeinschaftlich bedeutet in erster Linie gemeinsames Entscheiden und Anpacken in der Gruppe. Dazu werden auf regelmäßigen Monatstreffen aktuelle Aufgaben verteilt, Erfahrungen ausgetauscht, Probleme besprochen und neue Ideen diskutiert.

Die Saisonplanung

Beim ersten Treffen im Frühjahr legen die aktuell sechs aktiven GemeinschaftsgärtnerInnen fest, was gepflanzt beziehungsweise auf der heimischen Fensterbank vorgezogen wird. Eine Einteilung des Gießplans und Überlegungen, welche Reparaturen anstehen, werden ebenfalls abgesprochen. Ist der grobe Rahmen für die kommende Saison gesteckt, müssen nur noch die Beete vorbereitet und auf den Fensterbänken Platz für die Anzuchtgefäße geschaffen werden. Verwendet wird ausschließlich zugekauftes Bio-Saatgut oder selbstgewonnene Samen aus der letzten Saison.

Raus in den Garten

Sind die Pflanzen kräftig gewachsen, die Eisheiligen vorübergegangen und die Temperaturen angestiegen, ist es für die Zieh-Eltern an der Zeit, sich von den Sprösslingen zu trennen, sie transportsicher zu verpacken und dann: Ab in den Garten! Über den E-Mail-Verteiler des Gemeinschaftsgartens wird noch schnell ein Termin für eine gemeinsame Auspflanz-Aktion ausgemacht. Erschöpft, aber glücklich – nach getaner Arbeit, lässt man den Tag gemeinsam beim Grillen ausklingen.

So wird aus dem Frühling Sommer und aus den Sprösslingen werden stattliche Pflanzen, die schon bald Früchte tragen. Derart beschäftigt, vergeht das Gartenjahr wie im Fluge. Es gilt, jede Gelegenheit zu nutzen, um die Pflanzen beim Wachsen zu unterstützen. Ob regelmäßiges Gießen oder Unkraut jäten, die Gruppe treibt es immer häufiger raus in den Gemeinschaftsgarten. Es folgen zahlreiche gemeinsame Aktionen, wie beispielsweise das gemeinsame (Ein-) Kochen der Ernte oder die Verkostung von selbst gemachtem Likör und anderen Spezialitäten. Und ehe man sich versieht, neigt sich eine ertragreiche Gartensaison dem Ende entgegen und jeder blickt mit etwas Stolz auf das zurück, was mit dem Engagement jedes Einzelnen in der Gruppe entstanden ist.

Mitgärtnern

In den nächsten Wochen beginnen die Planungen der GemeinschaftsgärtnerInnen für die kommende Saison. Wenn Du nun Lust bekommen hast, mitzumachen, schreib eine E-Mail.

Wir freuen uns über neue MitgärtnerInnen und laden dich gerne zum nächsten Treffen ein.

 „Urban Gardening“

Die Praxis des urbanen Gärtnerns hat viele Ursprünge: Von großer Bedeutung waren sicherlich die Gemeinschaftsgärten, die in den 1970er Jahren in New York entstanden.  Auch Kuba ist ein Vorbild. Dort wurde nach dem Wirtschaftszusammenbruch in den 1990er Jahren die urbane Landwirtschaft mit dem Programm „Revolucion Verde“ staatlich unterstützt, die heute mehr als 2/3 des Obst- und Gemüsebedarfs deckt.

Die verschiedenen existierenden Konzepte des „Urban Gardening“, zu denen „Community Gardens“, „interkulturelle und Nachbarschaftsgärten“, „city farms“ und „Guerilla Gardening“ zählen, sind kreative Reaktionen auf Defizite wie Ernährungskrisen und Umweltprobleme, aber auch Vereinzelung und mangelnde Freiräume, die das städtische Leben mit sich bringen.

Neben dem Einfahren der Ernte, soll gemeinsam gelernt werden. Es geht darum, das Stadtleben zu bereichern und zu verschönern.

Dr. Christa Müller, Autorin von „Urban Gardening – Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt“, sagt: „Gärtnern ist (…)ein sinnlicher und zugleich politischer Beitrag zu den Erfordernissen einer postfossilen Ökonomie und einer Postwachstumsgesellschaft. (bh)“

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