Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Schwerpunkt

„Independent Kunst“ hat Tradition

„Die neue Fledermaus“ betreibt Kulturforschung in Karlsruhe

Aus den Tiefen der Zeit (Foto: Ondine Dietz)

Am Künstlerhaus 20, dem Ort an dem „Die Fledermaus“, ehemals legendärer Nachtklub und Kleinkunstbühne zuhause war, beschäftigen sich Ondine Dietz und Jean-Michel Dejasmin mit der alten Avantgarde, von vor 100 Jahren in Karlsruhe. Zentrale Idee des Projektraums ist zu zeigen, dass es so etwas wie eine freie Kunstszene – „im Konflikt zwischen Globalisierung und Provinz“ – in Karlsruhe schon immer gab. Dafür sammeln sie Material und beschäftigen sich, gemeinsam mit Kunsthistoriker*innen in einer historischen Recherche mit ehemaligen Künstler*innengruppen. Einige Aufmerksamkeit erlangten die Erkenntnisse zur Gruppe Rhi, benannt nach dem Rapphengst von Karl Mays Kara benNemsi, die in ihrer kurzen Aktivität zwischen 1919 und 1920 fünf Ausstellungen, in Berlin, Frankfurt, Darmstadt und zweimal in Karlsruhe organisierte . Mit der Gründung von Rhi folgten sieben ehemalige Studenten der Großherzoglichen Badischen Akademie der freien Künste, einer Aufforderung der 1918, im Zuge der Revolution von Kunstschaffenden gegründeten „Novembergruppe“, die eine kulturpolitische Mitwirkung an der staatlichen und gesellschaftlichen Neuordnung forderten. Nach dem Debüt in der Galerie Moos in der Kaiserstraße 187, war das Café Rhi regelmäßiger Treffpunkt der Gruppe, bis sie sich im Konflikt zwischen politischer Revolution und traditionellen Darstellungsweisen auflösten.

Nun beschäftigt man sich in der „neuen Fledermaus“ mit den Independent Projekten vor Rhi.  In der Chronik der Haupt-und Residenzstadt Karlsruhe 1905, beauftragt durch die städtische Archivkommission, Verlag der Macklotschen Buchhandlung und Druckerei heißt es:

„Freitag den 7. April und die beiden folgenden Tage veranstaltete der Verein Bildender Künstler ein Fest, dessen Reinertrag den Baufonds für ein Karlsruher Künstlerhaus bilden soll. Dem Fest lag der Gedanke einer „ Weltausstellung in Karlsruhe 1905″ zugrunde. Zur Vorbereitung und Durchführung des Programms hatte man bereits im Monat Februar in einer Besprechung von Herren aus verschiedenen Berufszweigen zwölf Komitees gebildet, denen etwa 80 Herren beitraten. Das Protektorat hatte der Erbgroßherzog übernommen. Er wohnte mit der Erbgroßherzogin der feierlichen Eröffnung der Ausstellung im großen Saale der Festhalle am Nachmittag des 7. April an. …Professor Le Blanc schuf Maschinen ungewöhnlicher Dimensionen und Konstruktionen. „Die Wunder der Tiefsee“ arrangierte Maler Walter. Einige Dutzend Etablissements „ Intimes Theater“, Cafechantant“, „Negerkolonialort“, „Kinematograph“ säumten die breite Ausstellungsstraße…“ Aus der Chronik geht hervor, dass der Kunstverein damals 1305 Mitglieder, Jahreseinnahmen von 52341 Mark hatte und 2635 Kunstwerke ausstellte.

1909 erwarb der Verein bildender Künstler das Künstlerhaus in der Karlstraße. 1910 fand unter dem Motto „3 Tage Monte Carlo“, organisiert von Karlsruher Künstler*innen, ein Independent Kunstfestival – quasi ein Vorläufer zur UND statt.

Kontakt zum Projekt gibt es hier: www.facebook.com/Die-neue-Fledermaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

*

Beiträge zum Thema Schwerpunkt

Halle ISEK 2025

Stadtentwicklung – gibt´s auch in anderen Städten. Die Partnerstadt an der Saale

Eine lebenswerte Stadt

Die Initative Critical Mass setzt sich für mehr Fahrräder in Städten ein.

Auf der Suche

Schnell machte sich Ratlosigkeit während des Projektes breit, zumal wir dieses Phänomen in
Nach oben