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Stadtleben

Keine Entspannung

Der Sachstandsbericht zum Thema Wohnen macht eine ernüchternde Prognose

Wohnungssituation und Prognose in Karlsruhe (Grafik: Benedict Holbein)

Wohnen in Karlsruhe ist ein heikles Thema. Der Sachstandsbericht zum Thema „Wohnen und Bauen in Karlsruhe“ 2015 unterstreicht, wie drastisch die Situation bereits ist und sich in den kommenden Jahren noch verschärfen wird.

Die Bevölkerung wächst, der Wohnungsbau stagniert

Die Karlsruher Bevölkerung und damit der Bedarf nach Wohnungen sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Zahl der Wohnberechtigten stieg zwischen 2007 (301.441) und 2014 um 5,3% auf 316.346 an. Grund dafür sind neben steigenden Studierendenzahlen vor allem auch die Geflüchteten in der Landeserstaufnahmestelle, die zwischen 2013 und 2014 etwa 58% des Bevölkerungswachstums ausmachten. Aus dem Bericht geht hervor, dass der Wohnungsbau in diesem Zeitraum dem steigenden Bedarf nicht nachkam, was bereits zunehmende Wanderungsverluste in die Region verursachte, weil Betroffene keinen bezahlbaren Mietraum gefunden haben. Vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen leiden unter der angespannten Wohnungssituation. Die Zahl an geförderten Sozialmietwohnungen ging zwischen 2008 und 2015 um 3.019 auf 3.671 zurück.

Miete als Kapitalanlage

80% der KarlsruherInnen leben zur Miete. Fast zwei Drittel des Wohnraums in Karlsruhe ist in privater Hand. Nur 0,6% des Wohnraums gehörte 2011 Bund und Land und 12,4% der Kommune. Von insgesamt 105.000 vermieteten Wohnungen gehörten etwa 26.800 der VOLKSWOHNUNG oder einer Genossenschaft. Wie der Sachstandsbericht besagt, haben private Immobilieninvestitionen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise stark zugenommen, da der Wohnraum eine stabile Anlagemöglichkeit bietet. Das führt angesichts der großen Nachfrage zu steigenden Mietpreisen. Kostete eine Wohnung im unteren Preissegment in einem Bestandsreihenmittelhaus 2008 durchschnittlich noch 650 Euro kalt, lag die Nettokaltmiete 2014 im Schnitt bei 790 Euro. Das entspricht einer Mietpreissteigerung um 21,5 %. Zum Vergleich bezahlte man in einer Neubau-Doppelhaushälfte 2008 1.340 Euro und 2014 1.570 Euro (+17,2%).

Wohnungslosigkeit nimmt zu

Aus dem Geschäftsbericht der Caritas geht hervor, dass im Jahr 2015 in Karlsruhe 650 Menschen ohne Obdach leben. 2014 waren es noch 448 gewesen. Seit 2011 hat sich die Zahl der Obdachlosen in Karlsruhe fast verdreifacht. Zudem sind immer mehr Familien von Wohnungslosigkeit betroffen. Ohne bezahlbaren Wohnraum wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen.

Es bleibt angespannt

Der Bedarf an Wohnraum wird in den nächsten Jahren weiter wachsen, während das Potential für Wohnungsbau stark begrenzt ist. Um den Wohnungsbedarf zu decken, müssen bis in Jahr 2030 etwa 11.000 Wohnungen neu gebaut werden. Das momentan verfügbare Wohnbaupotential liegt bei etwas mehr als 7.000 Wohnungen. Durch die Fortschreibung des Flächennutzungsplans im Bereich Wohnen für zusätzliche Wohnbauflächen, wie im Gemeinderatsbeschluss vom 28.07.2015 benannt, kann diese Zahl langfristig auf etwa 12.000 aufgestockt werden. Trotz dieser langfristigen Baumaßnahmen wird aber keine Entspannung des Wohnungsmarktes erwartet. Hierzu wäre der Bau von 20.000 neuen Wohnungen erforderlich.

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