Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtleben

Gekündigt und rausgeklagt

Die Falken Karlsruhe müssen ausziehen

Bereits im Jahr 2014 stand das Werderstraßenfest wegen der drohenden Kündigung der Räume der Falken unter dem Motto “Selbstorganisierte Gebiete statt Profite mit der Miete”. (Foto: Falken Karlsruhe)

Der soziale Treffpunkt „Planwirtschaft“, eine Bibliothek, ein Infoladen sowie zahlreiche Gruppen und Initiativen  verlieren ihre Räume. Nach beinahe einjährigem Rechtsstreit muss der Jugendverband SJD-Die Falken seine gemieteten Räumlichkeiten in der Werderstraße zum 30.04.2016 verlassen. 15 Jahre lang dienten die Räume als Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Südstadt und weit darüber hinaus.

Ein offener Raum muss zumachen

Der Startpunkt für die vielfältige und bunte Nutzung der  Räume im Erdgeschoß des Eckhauses in der Werderstraße 28 erfolgte durch die Anmietung im Jahr 2001. Über die Jahre haben sich dort neben den Karlsruher Falken verschiedene linke und antifaschistische Initiativen getroffen, die gemeinsam für ein lebenswerteres und solidarischeres Karlsruhe arbeiteten. 2007 erhielt der kleine Treffpunkt in der Südstadt den Namen „Planwirtschaft“. Dort wurden mit viel ehrenamtlichen Engagement eine Leihbibliothek und ein Infoladen genauso wie das Mitmach-Angebot einer Volxküche aufgebaut.  Immer wieder waren die Räume Ausgangspunkt für öffentliche Interventionen. Beispielhaft sei hier die Schulstreikinitiative von 2009 genannt, bei der die Planwirtschaft von Schülerinnen und Schülern aus ganz Karlsruhe als Vernetzungs- und Treffpunkt genutzt wurde.

Auch das seit 2011 stattfindende Werderstraßenfest geht auf die Initiative der Falken in der Planwirtschaft zurück. Über die Vorbereitung und Durchführung dieses unkommerziellen Festes entstand eine beständige Zusammenarbeit mit anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen aus der Südstadt, wie etwa dem „Kohi-Kulturraum“ oder dem „Jugendzentrum Südstadt“.

Die Motive für die Kündigung liegen im Dunkeln

Als den Falken vor rund eineinhalb Jahren ziemlich unvermittelt  die Kündigung für die Planwirtschaft sowie das seit 2009 gemietete nebenliegende Atelier in den Briefkasten flatterte, war klar: Die Räume, in die man so viel Aufwand und finanzielle Mittel gesteckt hatte, wollte man sich nicht einfach so wegnehmen lassen. Auch andere Mietparteien des Hauses erhielten Abmahnungen und Kündigungen durch den von den Eigentümern eingesetzten Hausverwalter Elmar Plaschka. Über die Motive der Eigentümer, das Haus zu entmieten, lässt sich bis heute nur spekulieren; der von den Falken angestrebte Austausch über die Gründe der Kündigung wurde mehrfach abgeblockt.

Es kam, wie es kommen musste: Um das Verlassen der Räume zu erzwingen, strengten die Eigentümer einen Prozess an. Dieses Verfahren zog sich letztlich über mehrere Instanzen über einen Zeitraum von rund einem Jahr. Mittlerweile ist ein Urteil über die Räume der Planwirtschaft zu Gunsten der Vermieter ergangen. Ein endgültiges Urteil für das anliegende Atelier wird in Kürze erwartet. Auch dafür ist jedoch mit einem negativen Ergebnis für die Falken zu rechnen.

Karlsruhe braucht nicht weniger, sondern mehr Freiräume

Um nicht auf der Straße zu landen, schauen sich die Falken gemeinsam mit den zahlreichen Nutzerinnen und Nutzern der Planwirtschaft nach Alternativen um.  Darüber hinaus wollen sie in Gesprächen mit Vertretern der Stadt auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen. Denn das Anmieten neuer Räume ist kein leichtes Unterfangen, lassen sich doch gerade für kulturelle und nicht-kommerzielle Angebote nur schwer passende Räumlichkeiten in Karlsruhe finden.

Um zu verhindern, dass ein wichtiger Ort von Bildungs- und Kulturangeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ein unkommerzieller Frei- und Partizipationsraum in Karlsruhe verloren geht, ist den Falken Karlsruhe jede Unterstützung willkommen.

SJD - Die Falken Karlsruhe

Die Falken Karlsruhe sind ein linker Kinder- und Jugendverband. Neben Zeltlagern, Seminaren und internationalen Begegnungen für Kinder und Jugendliche sind sie in Karlsruhe auch mit einem eigenen Treffpunkt präsent.

→Mehr

karlsruhe@sjd-falkenbw.deZur Webseite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

*

Beiträge zum Thema Stadtleben

Rechte Randnotizen

Unscheinbar aber wirkungsvoll Die selbsternannte „Identitäre Bewegung“ ist eine der Gruppen, die

Braune Flecken

Nazis in Karlsruhe. Vielleicht ist es Wenigen bekannt aber es gibt sie
Nach oben