Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtleben

Eine zweifelhafte Patenschaft

Karlsruhe und sein Kriegsschiff

Trägt das Wappen der Stadt: Die Fregatte „Karlsruhe“. (Foto: Presse- und Informationszentrum Marine)

In dem Internet-Portal www.einsatz.bundeswehr.de findet sich bei der Suche nach der Fregatte „Karlsruhe“ ein Bericht des Flottillenadmirals Schönbach, 2016 Befehlshaber des Flottenverbandes vor der Libyschen Küste: Stolz berichtet er von der über 100-jährigen Geschichte der Schiffe mit dem Namen „Karlsruhe“ und von der Verbundenheit zur namensgebenden Stadt in Baden. “Ich bin der 32. Kommandant eines Kriegsschiffes mit diesem Namen und der zwölfte Kommandant dieser Fregatte, der Karlsruhe V‘. Die erste und zweite ‚Karlsruhe‘ kämpften im Ersten Weltkrieg, das dritte Schiff wurde in der Weimarer Republik in Dienst gestellt und 1940 im Zweiten Weltkrieg im Skagerrak versenkt. ‚Karlsruhe‘ IV und V dienten beziehungsweise dienen der Bundesrepublik Deutschland.“

So ist die Geschichte dieser Kriegsschiffe mit dem Namen „Karlsruhe“ kurz umrissen. Nahtlos stellt sich die Bundesmarine in die Tradition von Krieg und Verderben von Kaiserreich und faschistischem Dritten Reich. „Ein Relikt, das den Geist der Geschichte und die lange Tradition greifbar macht, ist die Schiffsglocke der ,Karlsruhe´ II. Einst hing sie an Oberdeck des Kleinen Kreuzers der ehemaligen Kaiserlichen Marine. … Als Zeichen der Verbundenheit und der gemeinsamen Geschichte thront sie seitdem in der Offiziersmesse des aktuellen Flaggschiffs des Einsatzes in der Ägäis.“

Jüngste Einsätze vor Libyen

Bis Oktober befand sich die Fregatte „Karlsruhe“ als Führungsschiff im Kriegseinsatz vor der libyschen Küste im Rahmen der EU-Operation EUNAVOR MED. Der Auftrag lautete: „Die Schiffe des Verbands dürfen in internationalen Gewässern Boote anhalten und durchsuchen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie von Schleusern genutzt werden. Sie können beschlagnahmt und umgeleitet, Schleusereiverdächtige an Bord eines Kriegsschiffs genommen und an einen EU-Mitgliedsstaat übergeben werden. Die Schiffe sind nach dem Völkerrecht, dem Mandat und den Einsatzregeln („Rules of Engagement“) berechtigt, militärische Gewalt zur Durchsetzung ihres Auftrags einzusetzen.“ (Presse- und Informationszentrum Marine, 15.03.2016) Erweitert wurde der Einsatz um die „Bekämpfung von Waffenschmuggel“ und die Berechtigung „verdächtige“ Schiffe mit militärischer Gewalt zu stoppen.

Kein Festakt für das Kriegsschiff „Karlsruhe“

Seit 104 Jahren unterhält die Stadt Karlsruhe eine Patenschaft mit den Kriegsschiffen „Karlsruhe“. Diese kriegerische Tradition endet mit der Außerdienststellung der letzten Fregatte „Karlsruhe“ im nächsten Jahr. Oberbürgermeister Mentrup plant deshalb einen Festakt im Dezember. Der OB meint, dass Karlsruhe dankbar sein müsse, dass der Name der Stadt über die Weltmeere getragen wurde. Sollen wir dankbar sein, dass der Name Karlsruhe mit Krieg und Leid weltweit verbunden ist?

In einer Presseerklärung schrieb DIE LINKE Karlsruhe im April: „Wir erinnern daran, dass die ersten Schiffe mit dem Namen ‚Karlsruhe‘ Teile von militärische Aktionen der kaiserlichen sowie der NS- Kriegsmarine waren. Vor dem Hintergrund der vielen Millionen, die in den beiden Weltriegen getötet wurden, ergibt sich überhaupt kein Anlass aus dieser belasteten Historie die Idee für einen Festakt abzuleiten. Auch die Kriegseinsätze der derzeitigen Fregatte ‚Karlsruhe‘ im Rahmen von EU und NATO-Beschlüssen waren und sind keinesfalls politisch unumstritten… Nicht alle Bürgerinnen und Bürger Karlsruhes glauben, dass mit solchen Einsätzen Karlsruhe würdig in der Welt vertreten wird und lehnen diese ab.“ Im Gemeinderat fordern Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos von der LINKEN schon seit langem die Aufkündigung der Patenschaft.

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