Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Initiativen/Kultur

Mehr als Kino in Gemeinschaftshand

Kollektiv und vielfältig: Kurbel Genossenschaft gegen den Trend

“Wir haben den Raum und stellen ihn.” (Foto: Sophie Burger)

Die Kaiserpassage in der Karlsruher Innenstadt zeugt noch heute vom großen Kino-Zeitalter. Das Kassenhäuschen am Eingang zur Kaiserstrasse aber ist längst nicht mehr besetzt und die Läden, die in den 1950er-Jahren Kinobesuch und Einkauf verbinden sollten, wechseln ähnlich häufig wie die großen Blockbuster. In der Hochzeit des Kinos vor dem Fernsehzeitalter wurde die „Kurbel“ als erstes „Multiplex- Kino“ Deutschlands mit mehreren Kinosälen gegründet. Nach wechselnden privaten Betreibern und Kino-Ketten wird die Kurbel heute von knapp 50 Genossinnen und Genossen gemeinsam betrieben.

Kino als gemeinschaftliche Erfahrung

2009 drohte der geplante Umzug der Kinemathek in das Erdgeschoss der Kurbel zu platzen. Der damalige Kino- Betreiber fürchtete Einnahmeausfälle durch den nötigen Umbau. Daraufhin taten sich einige UnterstützerInnen der Kinemathek zusammen, um die weiteren Kinosäle im Obergeschoss des mittlerweile insolventen Kinos zu übernehmen. Sie sammelten weitere Personen aus ihrem Umfeld und gründeten 2010 die Kurbel Filmtheater eG, erinnert sich Udo Beyer, eines der 21 Gründungsmitglieder. Ein Kino zu betreiben, habe niemand von ihnen gelernt und nach 1 ½ Jahren habe sich gezeigt, dass ein Kino nebenbei, allein ehrenamtlich, nicht zu führen sei. Die Kurbel steht in der Karlsruher Kinolandschaft zwischen dem Filmpalast am ZKM und der Schauburg. „Zwischen Blockbuster und Arthouse“ sei alles dabei, wobei man ein möglichst breites Publikum ansprechen wolle, meint Fabian Eck, geschäftsführender Vorstand der Kurbel-Genossenschaft. „Wir sind etwas spontaner und experimenteller als die anderen Karlsruher Kinos“ beschreibt seine Kollegin Sophie Burger die Kurbel. Im Mittelpunkt stehe das gemeinsame Kinoerlebnis, das versammeln, diskutieren und auch selber machen beinhalten kann. Das „klare Kinosaal-Konzept durchbrechen“, den Raum als Arbeitsraum begreifen stehe nicht nur bei den regelmäßigen Workshops, sondern auch bei selbstorganisierten Kunstprojekten im Mittelpunkt. Niederschwellig und einladend zum Mitmachen sollen die Veranstaltungen „neue Erfahrungen oder auch Begeisterung für das Kino ermöglichen und zeigen, dass der Abend auch von mir selbst abhängt“, so Sophie Burger.

„Sobald ein Raum zur Verfügung steht, wird der auch genutzt“

Offenheit für Neues und andere Initiativen der Stadt zeigte die Kurbel-Genossenschaft zuletzt auch mit einem „Offenen Brief an Karlsruher Kulturschaffende“. Darin bietet die Kurbel ihnen im Rahmen des „Indoor Open Air“ einen sommerlich gestalteten Kinosaal für Veranstaltungen an. Die Kurbel- Genossenschaft selbst ist durch das gemeinsame Interesse an kultureller Vielfalt und am gemeinschaftlichen Arbeiten zusammengekommen und will mit der Kurbel auch einen Treffpunkt und Ort zum Ideenaustausch schaffen, heißt es darin.

Bestärkend wirkten zudem die Erfahrungen mit dem „Kurbel_Zwischenraum“. Eher zufällig wurde der Kurbel im Frühjahr die vorübergehende Nutzung eines leer stehenden Friseursalons in der Kaiserpassage angeboten. Zwischen Mai und Juni fanden in diesem Zwischenraum zahlreiche Filmvorführungen, Workshops, Konzerte, Ausstellungen und Partys statt, die zum Großteil von unabhängigen Kulturschaffenden mitveranstaltet wurden. Dies zeigte für Sophie Burger: „Sobald ein Raum zur Verfügung steht, wird der auch genutzt“. Eine dauerhafte Nutzung für kulturelle Initiativen scheiterte aber an den Kosten. Der ehemalige Friseursalon steht wieder leer. Doch daraus entwickelte sich die Idee, das Kino zu öffnen: „Wir haben den Raum und stellen ihn“, so Sophie Burger. Bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung des Briefes gibt es über 30 Anfragen, überwiegend aus der freien Karlsruher Szene. Das Indoor Open-Air ist vorerst bis Ende September geplant. Weitere Ideen gibt es viele, jede Woche kommen interessierte Genossinnen und Genossen zusammen, um Projekte und Leitlinien zu diskutieren. Dazu, für die Mitarbeit beim vielfältigen Alltag und um den Betrieb finanziell zu sichern, werden weitere Interessierte gesucht. Bei 500 Euro liegt ein Anteil an der Genossenschaft, der neben freiem Eintritt, eben auch Miteigentum am Kino bringt. So will die Kurbel weiter dem „Kinosterben“ trotzen. Seit 2002 sind 12% der Kinos in Deutschland geschlossen worden. Doch ohne diesen allgemeinen Trend wäre es wahrscheinlich gar nicht zur Kurbel-Genossenschaft gekommen, meint Sophie Burger. Die Kurbel wäre wohl Standort einer Kinokette geblieben, statt zu einem Kino mit breitem kulturellen Anspruch in den Händen vieler Karlsruherinnen und Karlsruher zu werden. (fk)

Kurbel Filmtheater eG

Als 2009 die Schließung der Kurbel drohte, gründeten Karlsruher Bürgerinnen und Bürger eine Genossenschaft – die Kurbel Filmtheater eG – um sich für den Erhalt dieses traditionsreichen Hauses einzusetzen. Ihr Ziel war es, durch Anmietung der drei Säle im Obergeschoss die Kurbel weiter zu betreiben und damit einen Beitrag zur Vielfalt innerstädtischer Kultur zu leisten.

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genossenschaft@kurbel-karlsruhe.deZur Webseite

Kaiserpassage 6, 76133 Karlsruhe

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