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Stadtleben

Gar nicht geil

Bundesweiter Neonazi-Aufmarsch in Karlsruhe

Das Photo beweist: Manuel Mültin ist Raucher. Hier beim TddZ in Dortmund 2016. (Foto: privat)

Sie sagen „Wie geil!“ und meinen „Sieg Heil!“

Der „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) ist eine seit 2009 jährliche wiederkehrende Kampagne der deutschen Nazi-Szene. Der zentrale Aufmarsch findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Die Kampagne richtet sich „gegen die Überfremdung und die geplante Umvolkung sowie den daraus resultierenden Volkstod in Deutschland“. Der neonazistische Charakter wird immer wieder sichtbar. So beispielsweise 2013, als mit dem (später verbotenen) Motto des Aufmarsches „Wie geil!“ auf die Nazi-Parole „Sieg Heil“ Bezug genommen werden sollte. Als Initiator des TddZ gilt Dieter Riefling aus Hildesheim, im Jahr 2015 zu einer einjährigen Haftstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt. Riefling verfügt über gute Kontakte zu Nazikadern wie Thorsten Heise (zeitweise im Bundesvorstand der NPD) oder Christian Worch (Vorsitzender der Partei ‚Die Rechte‘) und war im Umfeld des verbotenen Blood&Honour-Netzwerkes aktiv.

Im vergangenen Jahr hatte der TddZ in Dortmund stattgefunden. Dort marschierten knapp 1.000 Neonazis, darunter etliche Gewaltbereite. Das antifaschistische Magazin LOTTA berichtete, dass es am Rande des Aufmarsches ein Treffen von Mitgliedern von „Combat 18“, einem rechtsterroristischen Netzwerk, gegeben habe. Noch auf der Abschlusskundgebung in Dortmund wurde bekannt gegeben, dass der 9. TddZ in Karlsruhe stattfinden soll. Seit Juni 2016 liegt der Stadtverwaltung eine entsprechende Anmeldung einer „Privatperson im Namen der Partei ‚Die Rechte‘“ vor.

‚Die Rechte‘ spielt die entscheidende Rolle

Die Partei ‚Die Rechte‘ und auch ihre lokalen beziehungsweise regionalen Gliederungen gehen vielfach aus der neofaschistischen Kameradschaftsbewegung hervor. So sind die ‚Freien Nationalisten Kraichgau‘ in den Kreisverband ‚Die Rechte Rhein-Neckar‘ aufgegangen. Dieser Kreisverband trägt mit seiner Suche nach Bands für einen Soli-Sampler zur Finanzierung des TddZ und der Mobilisierung des subkulturell geprägten Kameradschaftsmilieus bei.  Beim sogenannten Wintergrillen am 28.01.2017 in Karlsruhe stellten die Liedermacher der „Freiheitskämpfer“ und „Der Rebell“ das Lied zum diesjährigen TddZ vor.

Der Kreisverband ‚Die Rechte Karlsruhe‘ wird angeführt von Manuel Mültin. Er ist Landesvorsitzender von ‚Die Rechte‘ und hatte nach Angaben der Antifaschistischen Aktion Karlsruhe im vergangenen Jahr den Aufmarsch zum ‚Tag der Heimattreue‘ in Bruchsal angemeldet. Die Kleinstpartei beteiligt sich vor Ort immer wieder an den Aufmärschen des aus dem PEGIDA-Umfeld entstandenen Zusammenschlusses ‚Karlsruhe wehrt sich‘. Sie steht laut dem Publizisten Lucius Teidelbaum in der Kontinuität des ‚Karlsruher Netzwerkes‘ und dessen Vorgängerstruktur ‚Karlsruher Kameradschaft‘. Bereits seit diesen Tagen pflegen Neonazis aus Karlsruhe gute Kontakte nach Dortmund. Auch dort hatte nach dem Verbot des ‚Nationalen Widerstands Dortmund‘ im Jahr 2012 der harte Kern einen Verband von ‚Die Rechte‘ gegründet. Aufgrund dieser Verbindungen ist es nicht verwunderlich, dass auf den TddZ in Dortmund nun der in Karlsruhe folgt.

Neben der Unterstützung aus Dortmund kann die lokale Neonaziszene auf weitere Unterstützung aus dem Bundesgebiet zählen. Bereits am 24.09.2016 war Dieter Riefling bei einer Mobilisierungsveranstaltung von ‚Die Rechte Karlsruhe‘ zum TddZ zu Gast. Dort trat anschließend die Liedermacherin Karin Mundt („Wut aus Liebe“) auf. Und auch der Bundesvorsitzende von ‚Die Rechte‘ Christian Worch ist in Karlsruhe kein unbeschriebenes Blatt: Im Jahr 2003 und 2004 hatte er bereits Demonstrationen bei der Stadt Karlsruhe angezeigt, die jedoch verboten wurden.

Die Wahl Karlsruhes für einen der bedeutendsten Nazi-Aufmärsche zeigt: Die Rechten und ‚Die Rechte‘ haben die Stadt auf dem Zettel.

In zwei weiteren Artikeln zum Thema beleuchten wir die Gegner*innen des Aufmarschs und Polizei und Stadtverwaltung.

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