Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtpolitik

Eine unheilvolle Allianz

Hooligans und Neonazis in Karlsruhe

Café-Gespräche (Karikatur: Carla Holbein)

Vielleicht war Volker Körenzig, Leiter des Karlsruher Fanprojektes, nicht der richtige Interviewpartner. Er muss sich schließlich mit der Klientel auch nach dem Interview noch auseinandersetzen. Vielleicht fehlte dem Redaktionsmitglied Michael Schorpp von den BNN einfach der nötige Biss. Aber ein Interview unter dem Eindruck der großen Hooligan-Demonstrationen von Köln und Hannover mit dem Zitat „In Karlsruhe gibt es kein Hooligan-Problem“ (BNN vom 05.11.2014) zu überschreiben, ist dann doch fast schon fahrlässig.

Schließlich war es nach Angaben des Deutschlandfunks (Beitrag vom 29.09.2014) ein „rechtsextremer Hooligan aus Karlsruhe“, der zunächst die Facebook-Gruppe „Wir trauen uns, weil wir Deutsche sind“ initiiert hatte. Nachdem diese Gruppe gehackt wurde, gründeten die Hooligans eine neue: „HoGeSa“. Seither zeigen sie sich als „Hooligans gegen Salaisten“ auch auf der Straße. Was sich in Köln mit rassistischen Parolen und Übergriffen Bahn brach, hatte (s)einen Ausgangspunkt in Karlsruhe.

Und das keineswegs zufällig. Denn in Karlsruhe bestehen die Verbindungen zwischen Hooligans und Neonazis seit Jahren. So lud im März 2012 die rechtsextreme Gruppierung „Karlsruher Netzwerk“ zum „Svastika Hallen Cup 2012“ (=Hakenkreuz-Cup) ins Karlsruher Soccer-Zentrum. Neben anderen Nazi-Gruppen waren auch mehrere Mannschaften aus dem bundesweiten Hooligannetzwerk „GnuHonnters“ gemeldet. Das Karlsruher Netzwerk feierte das Turnier als Erfolg und gab an, dass man „in bester kameradschaftlicher Stimmung…unter unseren Kontrahenten neue Bekanntschaften aus der Bewegung knüpfen“ konnte (Artikel auf ka-news.de vom 26.03.2012).

Erst jüngst machten die Karlsruher Hooligans in ihrem Treffpunkt, der Kneipe „La Vida Loca“,von sich reden. Dort fand ein als Geburtstagsfeier getarntes Neonazi-Konzert statt. In einem Artikel vom 21.10.2014 moniert eine nicht weiter genannte ka-Reporterin auf ka-news.de: „Das ist bereits das zweite Mal, dass ein rechter Liedermacherabend in der Hooligan-Kneipe stattindet.“

Es ist nicht hilfreich, wenn die Vernetzung zwischen Hooligans und Neonazis verharmlost oder verneint werden. Ross und Reiter gehören genannt. Alten und neuen Nazis tritt das Antifaschistische Aktionsbündnis Karlsruhe (AAKa) entgegen. Diese Koordination konnte im Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung und der Karlsruher Zivilgesellschaft erfolgreich gegen einen Aufmarsch von Neonazis im Mai 2013 in Karlsruhe mobilisieren und ihn letztlich verhindern. (jk)

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