Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Initiativen

Freie Menschen brauchen Sklaven

Offener Trickfilm-Workshop

Faire Woche

Sie richten ihren Blick auf die Welt – die „Eine-Welt“. Und sie reden nicht um den heißen Brei: Erst die übermäßige Ausbeutung der Arbeitskraft in der Peripherie ermögliche den hohen Lebensstandard in den Zentren – und zwar sowohl bezogen auf den gesellschaftlichen Reichtum wie auch auf das Maß politischer Freiheit. Markus und Ralf engagieren sich beim „liberacion e.V.“ und bieten im Rahmen der Fairen Wochen einen ungewöhnlichen Workshop an: Sie wollen einen Trickfilm drehen.

Der Verein hat seine Wurzeln im solidarischen Handel mit Kaffee aus Lateinamerika. „Mehr als fair“ ist einer der Ansprüche, denen sich „liberacion e.V.“ verpflichtet fühlt. Es geht Ihnen um globale Gerechtigkeit. Denn trotz vieler Bemühungen und Initiativen gilt: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Produzent*innenländern haben sich, wenn überhaupt, nur mäßig verbessert. Dem Streben nach Gewinnmaximierung konnte der Faire Handel bislang noch nicht viel entgegensetzen.

Die Früchte allen, die Erde niemandem

Ralf träumt von einer Welt, in der alle Produkte zu gleich guten Bedingungen für alle ausgetauscht werden. Die Ausarbeitung des Trickfilms soll der gesellschaftlichen Ungleichheit auf den Grund gehen. Inspiration haben sie bei Jean-Jacques Rousseau gefunden. Der schrieb: „Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und sich einfallen ließ zu sagen: Dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: – Hütet euch, auf diese Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde niemandem. -“

Nicht ohne Grund basieren die Netze des solidarischen Handels auf kollektiven, genossenschaftlichen Strukturen. Dass die „Eine-Welt“ dennoch nicht in Ordnung ist, liegt daran, dass (wenigstens) ein Weiteres hinzukommt: In Waren produzierenden Gesellschaften wie dem Kapitalismus bemisst sich der Wert einer Ware an ihrem Tauschwert. Das gilt auch für den Wert der Ware Arbeitskraft. Der Tauschwert wird nach der gesellschaftlichen Zeit bemessen, die für die (Re-)Produktion der betreffenden Güter aufgewendet werden muss.

Folglich entspricht der Tauschwert des Kaffees auf dem Weltmarkt den Produktionskosten der globalen Kaffeemultis. Hinzu kommt: Die Kaffeemultis beuten die „Ware Arbeitskraft“ über die Maßen aus. Die Löhne für die Plantagenarbeiter*innen reichen nicht aus, um die Arbeitskraft zur reproduzieren – sprich: zu leben. Für die kleinbäuerliche, genossenschaftliche Produktion heißt das: Sie müsste sich mit der Kostenstruktur eines Kaffeemultis messen können, um auskömmliche Erträge erzielen zu können. Dass das kaum möglich ist, liegt auf der Hand – und ist auch eine Erklärung dafür, warum der Preis für fair gehandelten Kaffee, der nur geringfügig höher als der für herkömmlichen Kaffee ist, nicht ausreicht, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen merklich zu verbessern.

Diese Zusammenhänge sind so unangenehm, weil sie schonungslos aufzeigen, wie unsere konsumistische Lebensweise dazu beiträgt, Armut und Ausbeutung weltweit zu verstetigen. „Natürlich brauchen freie Menschen keine Sklaven. „Liberacion“ bedeutet Befreiung. Und wir meinen damit die Befreiung der Menschen von Unterdrückung und Ausbeutung. Das wollen wir in dem Trickfilm zum Ausdruck bringen“, fasst Markus zusammen.

Anmeldung zum Trickfilm-Workshop

Die Ausarbeitung des Trickfilms findet an zwei Samstagen statt:

21.10.2017: Workshop von 14:00 – 18:00 Uhr, Gewerbehof Karlsruhe: Kennenlernen und Ausarbeitung der Story

28.10.2017: Workshop ab 11:00 Uhr, ZKM: Aufnahme des Trickfilms

Der Workshop richtet sich an Interessierte für Eine-Welt Themen, besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Der Kostenbeitrag beträgt 10 EUR. Eine Anmeldung ist bis 15.09.2017 per E-Mail erforderlich: info@cafe-liberacion.de. Weitere Details folgen per Email nach Anmeldung.

Buchtipp:

„Ändere die Welt!“ von Jean Ziegler

In dem Buch Ändere Die Welt! kommentiert der Soziologe Jean Ziegler die aktuelle Weltordnung, als eine kannibalische. Die vielen persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, aus seiner Arbeit als Nationalrat im Eidgenössischen Parlament, als Sonderberichterstatter der UNO und als Professor der Soziologie, die in das Buch einfließen, lockern die Lektüre auf. Er stützt viele seiner Argumentationen auf soziologische, anthropologische und ökonomische Standardwerke. Mit bestechender Präzision wendet er diese auf die heutigen Verhältnisse an.

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