Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Kultur

„Seit 22 Jahren der gleiche Zustand“

Räumung der Ateliers hinterm Hauptbahnhof oder doch nicht?

Die Ateliers von 25 Karlsruher Künstlerinnen und Künstler sind erneut bedroht. (Foto: Florian Kaufmann)

„Für uns hat sich nichts geändert“, meint ein Künstler aus den Ateliers hinterm Hauptbahnhof. Ende Juli hat der Karlsruher Gemeinderat das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft ermächtigt, die über 30 Künstlerinnen und Künstler aus ihren Ateliers zu räumen.

Die Ateliers gingen aus der Miete und anschließender Besetzung des heutigen ZKM und HfG-Komplexes hervor. Karlsruher KünstlerInnen und Studierende der Kunstakademie Karlsruhe schlossen sich Ende der 1980er zusammen, um die leer stehenden Räume der ehemaligen Produktionsstätte der Industriewerke Karlsruhe Augsburg (IWKA) als Ateliers zu nutzen. Daraus entstanden Ausstellungen und Veranstaltungen und drum herum eine lebendige kulturelle Szene, die Karlsruhe zu einem kreativen Zentrum machten. 1993 mussten sie für das ZKM und die Hochschule für Gestaltung weichen und 25 von ihnen fanden mit Unterstützung der Stadt neue Atelierräume in leer stehenden DB-Gebäuden hinterm Hauptbahnhof. Die Nutzung war damals nur auf drei Jahre befristet und auch in den folgenden Jahren erreichten die KünstlerInnen immer wieder Kündigungen. 2002 unterschrieben sie eine Unterwerfungserklärung, durch die sie die Ateliers binnen dreier Monate verlassen müssen, wenn die Stadt das Gelände verkauft. Doch trotz jahrelangen Versuchen wollte niemand so recht beim „Filetstück“ hinterm Hauptbahnhof zubeißen.

Alter Schlachthof 2.0?

Anlass der aktuellen Auseinandersetzung im Gemeinderat waren bauliche Mängel in der Elektrik, die der TÜV im Februar dieses Jahres feststellte. Die gravierenden Mängel sind inzwischen alle behoben, wie der TÜV eine Woche nach der Gemeinderatssitzung bestätigte. Doch weiterhin sieht die Stadt einen Investitionsbedarf von 300.000 Euro, um die komplette Elektrik zu erneuern. Einen Bruchteil davon errechnen die Künstlerinnen und Künstler, die auf Eigenleistung setzen wollen. Auf Druck einiger Fraktionen änderte die Stadtverwaltung die Beschlussvorlage in letzter Minute. Sie wurde um die Konzeption eines „Kultur- und Kreativparks hinterm Hauptbahnhof“ und die Prüfung von Alternativen zur Räumung ergänzt. „Seit 22 Jahren der gleiche Zustand“, heißt es dazu aus den Ateliers. Tatsächlich konnte die Stadtverwaltung auf Anfrage der Druckschrift nicht sagen, ob und wann die Ateliers geräumt werden sollen.

Mit der Konzeption des „Kultur- und Kreativparks“ soll die Karlsruher Fächer GmbH beauftragt werden, die auch für den „Alten Schlachthof“ verantwortlich ist. Wie und ob die betroffenen Künstlerinnen und Künstler in die Konzeption einbezogen werden, ließ die Stadtverwaltung auf Nachfrage offen.

Da vier der betroffenen Häuser unter Denkmalschutz stehen, sind große Veränderungen oder ein Abriss zumindest erschwert. Für die Betroffenen bleibt da nur abwarten. Von der Stadtverwaltung haben sie außer der erneuten Kündigung im Frühjahr nichts gehört. Überrascht sind sie daher auch, dass ihnen die geringe Miete der Ateliers nun zum Vorwurf gemacht wird. Wegen einer Erhöhung sei nie jemand auf sie zugekommen.

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