Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtleben

Und Gott steigt hinab

„Was für eine tolle Idee!“, kommentiert die Kreishandwerkerschaft Region Karlsruhe.  Der Künstler Markus Lüpertz soll die sieben Haltestellen der U-Strab mit Skulpturen gestalten, die die Schöpfungsgeschichte darstellen. Halleluja. Das Ganze soll bei der Majolika produziert, aus Privatspenden finanziert werden und rund 1 Million Euro kosten, von denen laut Initiator Anton Groll (ehemaliger Geschäftsführer der Majolika) bereits die Hälfte eingesammelt worden sei (BNN, 29.04.17).

Lüpertz, der im Interview mit der SZ sagte, er wollte Künstler sein, weil Gott ihm den Auftrag gab, antwortet im selben Gespräch auf die Frage, ob er gläubig sei: „Ich glaube an die Kirche… Ich glaube nicht an ein höheres Wesen… Sollte es einen Gott geben, werde ich mich mit ihm anlegen.“ Der aus Böhmen stammende Maler,  oft als Malerfürst bezeichnet, ist weniger für seine Bescheidenheit, denn seine Eitelkeit bekannt. Dementsprechend sind seine Werke meist massig, pompös, inszeniert. Für die Haltestellen sind 14, zwei mal vier Meter große Keramikreliefs geplant. Für Julia Voss sind seine Bilder „Lehrbeispiele dafür, wie ein deutscher Künstler zuverlässig in jede Falle tappt, die sich ihm stellt“ (FAZ, Feuilleton). Kunst ist letztlich auch eine Frage des Geschmacks. Geschmacklos ist dagegen, den religiösen Mythos der Schöpfung im öffentlichen Raum auf derart penetrante Weise und dadurch für alle Bürger*innen unübersehbar zur Schau zu stellen. Auch wenn man sich im Falle der U-Strab vielleicht eine effiziente „Schöpfung“ in sieben Tagen gewünscht hätte. Wäre eine Gestaltung der unterirdischen Haltestellen mit Szenen aus der badischen Revolution nicht in mehrerlei Hinsicht treffender?

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