Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Kultur

Künstler aller Länder, vereinigt Euch!

Festival. Experiment. Ein Kunst- UND Netzwerk

Hält, was sie verspricht: UND#9 (Foto: Constanze Zacharias)

Die UND#9 wird von Donnerstag, 20.07., bis Sonntag, 23.07.2017, in den Räumen der leerstehenden Dragonerkaserne in der Kaiserallee 12 stattfinden und bietet Künstlergruppen, temporären Projekten und klassischen Off-Spaces einen Raum, ihre Positionen und Konzepte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ondine Dietz, Joachim Hirling und Tobias Zilly, Vorstände des Vereins UND Plattform e.V. und Mitorganisator*innen der UND, haben die Fragen unseres Redaktionsmitglieds Judith Klötgen beantwortet.

Seit 2006 findet die UND# jährlich in Karlsruhe statt. Welche Idee steht hinter den Ausstellungen?

Die UND# wurde anfangs zeitgleich zur Kunstmesse „art Karlsruhe“ veranstaltet und nahm vor allem in den Anfangsjahren eine Vorreiterrolle in der aktiven Zusammenarbeit unabhängiger Kunsträume ein. Die Veranstaltung bietet zum einen Kunstinitiativen und Off-Szene-Projekten eine Plattform zur Ausstellung und Vernetzung, zum anderen die Möglichkeit der Präsentation ihrer Zusammenarbeit als Gruppe. Die Ausstellenden sind dazu aufgefordert, mit ihren Präsentationen raumbezogen zu agieren, was durch die ständig wechselnden Veranstaltungsorte unterstützt wird. Mit einem breitgefächerten Begleitprogramm räumt die UND# immer dem interdisziplinären Gedanken innerhalb der Künste einen großen Raum ein und ist somit mehr als ein konventionelles Ausstellungsprojekt.

Gibt es 2017 Veränderungen am Konzept? 

Die Konzeption der UND#9 folgt im Wesentlichen den Grundgedanken von 2006. Unabhängige Kunstinitiativen werden sich präsentieren, begleitet von Gesprächs- und Diskussionsforen, Performance, New-Media, Filmen und Musik sowie Bewirtung.
Eine Besonderheit ist das Zeitfenster: Wie schon im vergangenen Jahr entkoppelt sich die Ausstellung vom Zeitraum her von der „art Karlsruhe“. Die UND#9 findet dieses Jahr zeitgleich zu „Das Fest“ in Karlsruhe statt. Neben Karlsruher Kunstschaffenden wurden für die UND#9 Kunstinitiativen aus ganz Baden-Württemberg angefragt.

Ihr habt die Kunstmesse „art Karlsruhe“ erwähnt. Empfindet ihr euch als Gegenveranstaltung? 

Nein. Die UND# ist ein eigenständiges Festival. Wir richten den Fokus auf Kunstinitiativen und bieten eine Plattform vor allem für Positionen, die sich noch nicht auf dem Kunstmarkt etabliert haben.

Eine Besonderheit der UND# sind die wechselnden Veranstaltungsorte. Das ist auch für die Ausstellenden eine besondere Herausforderung. Wo fanden die Ausstellungen schon statt?

Am 09.März 2006 startete die UND-Plattform in einem ehemaligen Supermarkt in der Waldhornstraße. Die knapp 600 qm Ausstellungsfläche wurden von der Volkswohnung Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Durch das große Engagement der teilnehmenden Kunstinitiativen aus Karlsruhe wurde es möglich, die Idee einer Off-Szene Messe zu realisieren.

Wild und abwechslungsreich präsentierte sich die zweite UND auf dem Gelände des Alten Schlachthofes im ehemaligen Autohaus Zschernitz in der Durlacher Allee.

Durchhaltevermögen bei der Raumsuche und schnelles Organisieren ermöglichte die UND#3 in den Räumen des ehemaligen Versorgungsamts in der Kriegsstraße 103.

Die vom 08.03. -13.03.2009 stattfindende UND#4 wurde erstmalig durch den neu gegründeten Verein UND Plattform Karlsruhe e.V. organisiert. In den lichten Räumen der Nancyhalle war die Kreativität der Kunstinitiativen gefordert. Durch extrem wenig Hängefläche in sehr großen Hallen waren die Künstler*innen angehalten, ihre eigene Ausstellungsarchitektur zu erschaffen.

Als Novum fand die UND#5 in den Räumen des Vorjahres statt. Da die Nancyhalle dem Kulturamt der Stadt Karlsruhe zur Verfügung stand, konnte vom 02.bis 07. März 2010 die UND#5 wieder dort stattfinden. Vom 08. bis 13. März 2011 fand die UND#6 zum dritten und letzten Mal in der Nancyhalle statt.

Wieder zurück auf dem Areal des Alten Schlachthofes Karlsruhe nutzte die UND#7 drei verschiedene Gebäude für ihre Ausstellung.

Die UND #8 fand in der ehemaligen Dragonerkaserne in der Kaiserallee statt. Diese Räumlichkeiten werden auch Heimat der UND#9 sein.

Die Veranstalter*innen des Festivals werden sich danach wieder auf die Suche nach neuen, spannenden Orten begeben.

Gibt es 2017 ein besonderes Thema für die UND#9?

Die Grundidee ist die Kommunikation und damit verbunden die individuelle und diskursive Auseinandersetzung mit aktueller Kunst. Dazu das Gemeinschaftserlebnis einer besonderen Lebensart, ein friedvolles und kreatives Miteinander und der Genuss von Musik.
Zwei mögliche Gedenkmomente bieten sich 2017 an: Vor 100 Jahren der positive künstlerische und kreative Prozess und die Aufbruchstimmung innerhalb der Russischen Revolution, der alle Bereiche der Kunst umfasste. Beispielhaft zu nennen sind Künstler*innen wie Natalja Gontscharowa, Kasimir Malewitsch und El Lissitzky. Leider wurden diese Strömungen unter Stalin einige Jahre später „mit Blut ertränkt“.
Und wir erinnern uns an 1967, der sogenannte „Summer of Love“, als Mitte Juni das Monterey International Pop Festival in Süd-Kalifornien/USA stattfand, ähnlich wie heute inmitten unruhiger und kriegerischer Zeiten.

Wer sind die Veranstalter*innen der UND#?

Nach derzeitigem Stand werden viele aus dem Organisationsteam der UND#8 auch bei der UND#9 dabei sein. Das sind vor allem die Mitglieder des Vereins UND Plattform. Aber auch Künstler*innen, die an der Ausstellung teilnehmen, beteiligen sich aktiv an der Durchführung.

Eine Ausstellung wie die UND# erfordert neben viel Engagement auch Geldmittel.
Wie finanziert ihr euch und wie kann man euch unterstützen?

Die teilnehmenden Künstler*innen entrichten einen Kostenbeitrag von 40 Euro, aber das deckt die Kosten natürlich nicht.

Das Kulturamt der Stadt Karlsruhe unterstützt uns freundlicherweise großzügig im Rahmen seiner budgetbedingten Möglichkeiten. Um ein tolles, lebendiges Festival möglich zu machen, das nicht auf Ausbeutung oder Selbstausbeutung fundiert, sind wir trotzdem auf Sponsoren angewiesen. Wer uns unterstützen möchte, kann uns unter folgender Adresse kontaktieren: und.plattform@gmail.com. Geld- und Sachspenden, aber auch moralische und tatkräftige Unterstützung sind mehr als willkommen.

Welche Motivation steht hinter eurem Engagement? Was bewegt euch?

Wir nehmen aktuell Separierung und Spaltung in unserer Gesellschaft wahr. Die Lage spitzt sich zu, auf gesellschaftlicher, politischer und kultureller Ebene. Eine gesunde Utopie von sozialer, globaler Gerechtigkeit ist die politische Vision, welche die teilnehmenden Künstler*innen und Macher*innen der UND#9 zeichnen wollen.
Wir würden gerne gemeinsam in 2017 eine Nanowelle starten, denn jede große Welle beginnt mit einer kleinen Welle.

Uns bewegt die Idee der Vernetzung. Mit einem Augenzwinkern sagen wir: „Künstler aller Länder, vereinigt Euch“, das ist eine unserer unausgesprochenen Devisen. Wir möchten aber vor allem durch dieses Festival das enorme und zukunftsweisende Potential der independent Kunst in Karlsruhe transparent und manifest machen. Hierin sehen wir einen großen gesellschaftlichen Reichtum in unserer Stadt.

Wie sehen eure Zukunftspläne bezüglich der UND aus?

Nach der UND#9 werden wir anfangen, die UND#10 vorzubereiten.

Wir danken euch für das Gespräch.

UND#

Die UND ist eine Initiative für die Karlsruher Initiativen, als Kunstfestival konzipiert und um Integration und Nachhaltigkeit bemüht. Sie wird, ebenso wie ihre Organisation, kollektiv experimentell zelebriert.

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und.plattform@gmail.comZur Webseite

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