Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

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Die wahre Gefährdung ist die Klimakrise

Sylvia Kotting-Uhl (Grüne)

"Nicht verstrahlt" (Foto: kotting-uhl.de)

Sylvia Kotting-Uhl wuchs in einem kleinen Ort im Albtal auf, wo sie ihre Kindheit draußen spielend verbrachte. Auch heute zieht es sie zur Entspannung noch ab und zu ins Grüne oder aufs Land nach Südfrankreich. Zeit für Hobbys habe sie aber nicht, sie lebe für die Politik.

In ihrer Jugend war sie auf 68er-Demos unterwegs. Nach ihrem Germanistik- und Anglistik- Studium arbeitete sie als Dramaturgin an der badischen Landesbühne, gründete eine Handwerksgalerie und eine Kinderwerkstatt, die sie 15 Jahre lang betrieb. Als Dozentin bei freien Bildungsträgern gab sie Sprachunterricht und Integrationskurse. Mit ihrem Partner und ihren Kindern lebte sie ein „alternatives Landleben“, bis das Waldsterben, das Ozonloch und vor allem der Gau in Tschernobyl sie in die Politik zogen. Sie wollte nicht länger auf ihrer „grünen Insel“ leben und wechselte „vom grünen Leben zum grünen Arbeiten“.

1987 trat sie den Grünen bei, wo sie, ehemals Landesvorstand und nun Bundestagsabgeordnete, sich auf Atomausstieg, Klima und Energiefragen fokussiert. Als ihren größten politischen Erfolg in diesem Bereich betrachtet sie das Standortauswahlgesetz für die atomare Endlagersuche. Den Schlüssel für die Energiewende sieht sie im Speicherausbau. Der Gedanke der Grundlastfähigkeit sei nicht mehr zeitgemäß, vielmehr verstopfe Grundlast aus fossilen Kraftwerken und Atomkraft die Netze. Das Netz der Zukunft werde komplex und dezentral sein.

Obwohl sie ihre jugendliche Vorstellung von einer Welt ohne Waffen und Kriege in ihrer Lebenszeit nicht mehr für erreichbar hält, habe sie ihren Optimismus nicht verloren. Die Grünen seien ihren Idealen treu geblieben, auch wenn ihr „der Schulterschluss mit der Automobilindustrie“, gerade in Baden-Württemberg, zu eng ist.

Für Frau Kotting-Uhl ist Verantwortung ein wichtiger Wert, in der Politik wie im Privaten. Das gelte auch für die Medien und ihrer Rolle bei der Meinungsbildung.Der mediale Fokus auf Sicherheitspolitik, Trump und Erdogan verkenne die wirklichen Probleme, darum fordert sie „ein Zurechtrücken der Gefahren“. Die wichtigste Frage sei, wie wir leben könnten, um nachhaltig mit Umwelt und Klima umzugehen. „Es ist noch nicht zu spät, um Lösungen zu finden“, ist sie sich sicher. Um die Klimaziele zu erreichen, sei auch Ordnungspolitik entscheidend, für sie ist die „Scheu vor Verboten nicht nachvollziehbar“. Immerhin schützten diese Menschen. Die Freiheit, SUVs zu fahren, dürfe nicht die Freiheit, saubere Luft zu atmen, einschränken. Von einem bedingungslosen Grundeinkommen halte sie sehr viel. Es werde Menschen „freier und tätiger machen“. Daher habe sie im Wahlprogramm die Durchführung eines Modellprojekts verankert.

Als Karlsruherin ist sie zwar an kommunalen Themen interessiert, politisch konzentriert sie sich aber auf die großen bundes- und europaweiten Aufgaben. „Bundespolitik sollte nicht daraus bestehen, dass Abgeordnete das beste für ihren Wahlkreis rausholen wollen.“ Ihrer Partei rät sie einen Parteienwahlkampf anstelle der frühen Festlegung auf mögliche Koalitionen an. Das sei in der Vergangenheit richtig gewesen, gehe heute aber nicht mehr. Der SPD attestiert sie eine zu große Konzernnähe, der Linken mangelnde Kompromissfähigkeit. Dennoch sieht sie in einer rot-rot-grünen Koalition die Chance für einen spürbaren Wandel, vor allem beim Stopp von Rüstungsexporten und für eine sozialere Politik. Einen Wechsel hält Kotting-Uhl für dringend nötig und sagt: „Vor einer erneuten großen Koalition kann ich nur warnen. Sie schadet der Demokratie.“

Weitere Kandidaten:

Manchmal blinkt er links, abgebogen wird rechts – Marc Bernhard (AfD)

„Wir müssen die Komfortzone verlassen“ – Michel Brandt (Linke)

Abgeklärt und glatt – ohne Kontroversen – Parsa Marvi (SPD)

Arbeit muss sich wieder lohnen – Michael Theurer (FDP)

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