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Was er am besten konnte: Ponte.

Ingo Wellenreuther kandidiert für die CDU

Nicht im Bilde: Ingo Wellenreuther

Er sei ein Freund klarer Worte, will die Dinge ansprechen, da sein für die Karlsruher und Karlsruherinnen. Nachdem er als Einziger weder die Zeit gefunden hatte, unsere Fragen schriftlich zu beantworten, noch zu einem persönlichen Gespräch bereitstand, begann das vereinbarte Telefoninterview mit der Festlegung, er habe lediglich fünf Minuten Zeit. “Klare Worte“, „da sein“? – das müssen andere beurteilen. Dass er sich in der Auseinandersetzung rar macht, kritisieren jedenfalls auch andere. „Wellenreuther verweigert sich bei allen Podien“, ärgert sich Sylvia Kotting-Uhl (Die Grünen).

Zur Annäherung ein Experiment: Schließen Sie die Augen und denken Sie an die letzte bundespolitische Initiative, die Sie mit dem Namen Ingo Wellenreuther verbinden. Kleiner Tipp: Genießen Sie die Stille, die die Leere hinterlässt.

Auf der Webseite abgeordnetenwatch.de lässt sich nachvollziehen, wie er im Bundestag abgestimmt hat. Es ist ein Arbeitsnachweis, der zeigt: Er war da.  Das volle Regierungsprogramm. Hier eine Auswahl: Für die Diätenerhöhung, für die Verschärfung des Asylrechts I, für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, für die Verschärfung des Asylrechts II, für die Einstufung von Algerien, Marokko und Tunesien als sichere Herkunftsländer. Gegen die Frauenquote in Aufsichtsräten, gegen das Anbauverbot von Genmais in der EU, gegen mehr Transparenz beim Rüstungsexport, gegen ein Frackingverbot, gegen die Verbesserung der Mietpreisbremse, gegen die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und gegen die Ehe für alle.

In Karlsruhe geboren, besuchte er das Goethegymnasium. In der Abizeitung schrieb ein Mitschüler 1979 über ihn: „Auch der Ingo ist sehr träg, / kommt er doch sehr oft zu spät. / Meistens aber macht er ‚Ponte‘, / was er auch am besten konnte.“ (‚Ponte machen‘, lat., kann frei übersetzt werden mit ‚blau machen‘). Nach dem Jurastudium war er unter anderem zehn Jahre als Richter am Landgericht tätig.

Bekannt ist seine krachende Niederlage um das Amt des Oberbürgermeisters von Mannheim im Jahre 2007, berüchtigt seine nicht minder deutliche Niederlage gegen Frank Mentrup (SPD) bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe 2012. Berüchtigt deshalb, weil Ingo Wellenreuther nicht unerhebliche Teile der eigenen Partei gegen sich aufgebracht hatte. Und das kam so: Favoritin zahlreicher lokaler CDU-Politiker für das Amt war Margret Mergen, Wellenreuther hielt dagegen. Vor der Nominierungsveranstaltung gab es dann überraschend viele Neueintritte bei der CDU: Binnen zweier Monate wuchs die Mitgliederzahl von 1.500 auf 1.900 an, darunter einige aus dem Umfeld des KSC, dem Wellenreuther als Präsident vorstand. Mit zahlreichen Stimmen der neu Eingetretenen erreichte Wellenreuther die Nominierung gegen Margret Mergen – und gegen viele langjährige Mitglieder seiner Partei. Immerhin: Das rustikale Vorgehen brachte ihn bundesweit in die Medien – ‚Bad news are good news‘.
Die Zustimmungswerte für ihn in der eigenen Partei waren und sind durchwachsen. Bereits zum zweiten Mal fuhr er das mit Abstand schlechteste Ergebnis auf der Landesliste zur Bundestagswahl der CDU Baden-Württemberg ein. Trotzdem war er von 1999 bis 2013 Stadtrat in Karlsruhe und hält seit 2002 den Kreisvorsitz der Karlsruher CDU. Im Bundestag strebt er bereits die 5. Legislaturperiode an. Bei den Wahlen 2005, 2009 und 2013 hatte er in Karlsruhe jeweils das Direktmandat geholt.

Wellenreuther mag durchsetzungsstark sein, wofür er steht, lässt er lieber seinen Parteifreund Wolfgang Bosbach formulieren: „Wer den Zeitgeist heiratet, wird schnell zur Witwe.“

Weitere Kandidat*innen:

Manchmal blinkt er links, abgebogen wird rechts – Marc Bernhard (AfD)

„Wir müssen die Komfortzone verlassen“ – Michel Brandt (Linke)

Die wahre Gefährdung ist die Klimakrise – Sylvia Kotting-Uhl (Grüne)

Abgeklärt und glatt – ohne Kontroversen – Parsa Marvi (SPD)

Arbeit muss sich wieder lohnen – Michael Theurer (FDP)

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