Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Schwerpunkt

„Wir müssen die Komfortzone verlassen“

Michel Brandt (Linke)

Politik ist auch auf der Straße (Foto: privat)

Jung, idealistisch, aktiv. Michel Brandt, Schauspieler am Badischen Staatstheater und Personalratsmitglied, ist in sozialen und kulturellen Bewegungen verankert. Als Mitglied der Gruppe aktion.kollektiv.theatral war er Mitinitiator der Kampagne „Spart‘s euch“ gegen die städtischen Sparmaßnahmen,  er engagierte sich bei antirassistischen Aktionstagen, beteiligt sich an Protesten gegen Abschiebungen und gewann 2016 den deutschen Personalratspreis für seine Initiative zur Arbeitszeiterfassung am Badischen Staatstheater. Bereits in der Schulzeit rebellierte er gegen das Schulsystem bei Bildungsstreiks und organisierte sich bei den „Schülern gegen den Irak-Krieg“. Er wurde 1990 in Niedersachsen geboren, besuchte eine integrierte Gesamtschule und studierte danach Schauspiel an der Musikhochschule Stuttgart. 2016 kandidierte er für Die Linke für den Landtag.

Die politischen Verhältnisse, mit Lobbyismus, Sanktionspolitik auf dem Rücken der Schwächsten und dem Mangel an klaren Positionen, findet er „kaum auszuhalten“. Auf die Frage, ob er Gefahr laufe, wie viele Politiker seine Ideale in der Realpolitik einzubüßen, entgegnet er: „Ich will nicht sagen, dass  mir das nicht passieren kann“, aber seine freundschaftliche Verankerung in politischen Bewegungen sei ein „Rückhalt, der ihn zurück zieht – ein Gegendruck zu dem Druck, der im Parlament herrscht.“ Michel Brandt will linke Bewegungen mithilfe der Bundestagsstrukturen stärken. Es fehle an Wirkkraft, man müsse die Themen wieder „von links besetzen“ und „offensiv nach außen treten.“ Aktuell fehle es an einer politischen Vision, auf die die Leute Lust haben. „Bei der Linken gibt es die größte Chance auf eine solche Vision“, dazu müsse man junge Leute ansprechen, die die Vision „positiv besetzen“ und den „Glauben an eine Alternative stärken und vermitteln.“  Um große Veränderungen erreichen zu können, müssten „Grundlagen geschaffen sein, um mit den richtigen Ideen auf Katastrophen reagieren zu können. Aber auch „Veränderungen im Kleinen sind wichtig“, zum Beispiel Verbesserungen bei HartzIV oder im Asylrecht, die „reale Gewinne für Menschen“ darstellten. Jeder Erfolg sei gut und richtig und er ist „dankbar für jeden Kampf.“ Wenn er in den Bundestag einzieht, möchte er erstmal „vier Jahre schauen, was geht.“ Die Perspektive der Linken sieht er in der jetzigen Situation klar in der Opposition. Bevor man über Regierungsarbeit nachdenke, solle man erstmal „die linke Position stärken.“ Weg mit prekären Arbeitsverhältnissen wie Befristung, Leiharbeit oder Werkverträge. Für mehr betriebliche Mitbestimmung. Für eine sanktionsfreie Mindestsicherung und eine solidarische Mindestrente. Mehr Investitionen in sozialen Wohnungsbau und Kultur. Für kostenfreie Bildung von Kita bis Hochschule mit mehr Mitbestimmung von Lernenden. Weg von Konkurrenz und Leistungsdruck hin zu einer humanistischen Bildung. Für eine Umverteilung von oben nach unten, mit Spitzensteuersatzerhöhung und Erbschaftssteuer. Stopp von Waffenexporten und Kriegseinsätzen. Für legale Fluchtwege und globale Bewegungsfreiheit. Für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr als Beitrag zur ökologischen Mobilität. Für den Ausstieg aus Kohle und Atomkraft. Für ein Europa das sozial und solidarisch ist, das „weder eine Festung ist, noch in Nationalstaaten zerfällt.“

Um einen Wandel zu etablieren, müsse man die Demokratie stärken. Das gehe über mehr politische Bildung, eine Ausweitung des Demonstrationsrechts, mehr Mitbestimmung und soziale Freiräume wie Stadtteilzentren. Gleichzeitig müssten der Einfluss der Industrie auf die Politik beschränkt und Parteispenden von Konzernen verboten werden.

Michel Brandt muss mit bescheidenen Wahlkampfmittel auskommen. Am Wochenende ist er schon mal 35 Stunden unterwegs, um selbst Plakate zu kleben. Seine wenigen Unterstützer*innen nehmen sich Urlaub, um Zeitungen zu verteilen. Er bestreitet seinen Wahlkampf, wie er Politik macht: Mit viel Herzblut, authentisch, auf der Straße.

Weitere Kandidat*innen:

Manchmal blinkt er links, abgebogen wird rechts – Marc Bernhard (AfD)

Die wahre Gefährdung ist die Klimakrise – Sylvia Kotting-Uhl (Grüne)

Abgeklärt und glatt – ohne Kontroversen – Parsa Marvi (SPD)

Arbeit muss sich wieder lohnen – Michael Theurer (FDP)

Was er am besten konnte: Ponte. – Ingo Wellenreuther kandidiert für die CDU

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