Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Stadtleben

Zu lange abgehangen

Das Filetstück hinter’m Hauptbahnhof

Das "Filetstück" hinterm Hauptbahnhof (Foto: Florian Kaufmann)

Ein gutes Stück Fleisch muss reifen. Nach 23 Jahren ist das viel diskutierte „Filetstück“ mehr als abgehangen. Und dabei wurde das Gelände südlich des Hauptbahnhofs, welches laut Stadtentwicklungsplan für 2020 als „Visitenkarte Karlsruhes“ fungieren sollte, stets abwechselnd von „ernsthaften“ und „vielversprechenden Interessenten“ umflattert, mit denen man gar in „erfolgversprechenden Gesprächen“ war.

Seit 1997 beheimatete das Areal die Ex-Steffi, bis diese 2006, laut damaligem OB Fenrich zur besseren Vermarktung, geräumt wurde. Der von der Stadt geplante „Time-Park“ für Büro- und Gewerbenutzung scheiterte jedoch mangels Investoren. Weitere Gebäude wurden als Ateliers von Künstler*innen genutzt, die sich über 22 Jahre in einem ständigen Zustand wechselnder Duldung und drohender Räumung befanden. Das „Agreement“, von dem laut OB Mentrup beide Seiten profitierten, wurde von der Stadt 2015 einseitig aufgekündigt. Nun ist das Areal – das „preisgekrönte Gärtchen“ ausgenommen, „tot“, weil bis dato weder der Bebauungsplan „Hauptbahnhof Süd“ von 2005, noch das Konzept der Stadtverwaltung „Kultur- und Kreativpark“ Früchte trugen. Grund: Keine Investoren.

„Neue Hoffnung“ sollte die „Ideenwerkstatt“ bringen – ein Workshop zu Nutzung, Betreiberschaft und städtebaulicher Situation des Areals, zu dem die Stadt Ende August Vertreter*innen verschiedener Institutionen und Vereinen sowie interessierte Bürger*innen einlud. Der Beschluss des Gemeinderats eine „künstlerisch-kulturelle Nutzung“ zu prüfen, sei „klar Ausgangspunkt“, „wir sollten uns zunächst keine Denkverbote auferlegen“ eröffnete der erste Bürgermeister Jäger die Veranstaltung. Architekt Tebbert konstatierte bei der zugehörigen Begehung noch, er habe „Schlechteres gesehen und Schlechteres instand gesetzt“ und so konnte neuen „Denkanstößen für die weitere Diskussion“ nichts mehr im Weg stehen.

Einig war man sich bei den Teilnehmer*innen über den „besonderen Charme“ des „Gebäude- Ensembles“. Das Kesselhaus als „Herzstück“ solle daher öffentlichkeitswirksam genutzt werden. Als Beispiele für gute Betreiberschaft in der Praxis wurden der „Gewerbehof“ und der „alter Schlachthof“ angeführt, denn wichtig sei eine Betreiberform, die die Spannungsfelder des Geländes und das kreative Potential als Grundlage seines Handelns begreife. Zudem wurde die Notwendigkeit einer „differenzierten städtebaulichen Betrachtung“ und einer „übergreifenden Vision“ ergründet. Aha. Baubürgermeister Obert zeigte sich zufrieden über die „sehr guten Ergebnisse“ und kündigte deren Behandlung im Gemeinderat an.

An dieser Stelle sei es erlaubt, einige konkrete Nutzungsvorschläge zu unterbreiten. Wie wäre es beispielsweise mit frei nutzbaren Ateliers, Probe- und Veranstaltungsräumen oder einem freien Kulturzentrum – sozusagen mit offenen kulturellen Freiräumen, die die Stadt ihren Bürger*innen zur Verfügung stellt? Oder hatten wir das schon?

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