Beiträge für eine Lebendige Streitkultur in Karlsruhe

Schwerpunkt

Mehr als Wohnen

Wohnprojekte als Alternativen zum privaten Wohnungsmarkt

Wohnen im Wagen (Foto: Wagenburg Karlsruhe)

Die MiKa – Genossenschaftliches Wohnen in der Karlsruher Nordstadt

1997 gründete sich die MieterInneninitiative Karlsruhe, kurz MiKa, ein Zusammenschluß verschiedener Wohninitiativen in Karlsruhe. Das Ziel war es, einige Gebäude der ehemaligen Kasernenanlage „Smiley West“ zu kaufen, umzubauen und sozial gebundene Mietwohnungen zu schaffen.. Der Wunsch, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters zusammenzuleben, sollte verwirklicht werden. Hierzu war viel Engagement von Nöten, aber der Einsatz hat sich gelohnt.

Die Finanzierung erfolgte über Eigenkapital in Form von Genossenschaftsanteilen sowie sogenannte Leihgemeinschaften, bei denen Mitglieder füreinander bürgen und die Ökobank günstige Gruppendarlehen gewährte. Darlehen der Landesregierung und der GLS- Bank ermöglichten den Umbau der Wohnhäuser und den Kauf des Kultur- und Gemeinschaftshauses. Hinzu kam ehrenamtliches Engagement, das die Mieter*innen unbezahlt erbracht haben, die sogenannte „Muskelhypothek“.

Die zukünftigen Bewohner*innen wurden schon in der Planungsphase miteinbezogen. So entstanden ganz unterschiedliche, individuell zugeschnittene Wohnungen, zum Teil barrierefrei und blindengerecht. Der Umbau wurde innerhalb von zwei Jahren unter ökologischen und ressourcenschonenden Gesichtspunkten realisiert.Auch im Außenbereich setzte man auf Renaturierung asphaltierter Flächen, pflanzte Bäume und legte Gärten und unversiegelte Spielplätze an.

Das Projekt lebt vom Mitmachen und gegenseitiger Unterstützung der rund 230 Bewohner*innen, von denen 80 Kinder sind. Es umfasst vier Wohnhäuser sowie das Kultur- und Gemeinschaftshaus Mikado, das kulturelle Veranstaltungen, Sportangebote, eine amerikanische Bibliothek und ein Restaurant beherbergt. Die Mika wird basisdemokratisch, ohne Hausverwaltung organisiert. Arbeitsgruppen aus Vertreter*innen der acht Hausgemeinschaften entscheiden nach Konsensprinzip. Es gilt eine Frauenquote von 50%.

Selbstorganisiert Wohnen – solidarisch wirtschaften!

Das ist das Motto des Mietshäusersyndikats, das sich als ein basisdemokratisches Netzwerk versteht, dessen Ziel die Entprivatisierung von Wohnraum ist. Das Syndikat wurde 1992 von ehemaligen Hausbesetzer*innen in Freiburg gegründet. Es berät selbstorganisierte Hausprojekte und beteiligt sich an ihnen, um Objekte durch Kauf dem Immobilienmarkt zu entziehen. Es hilft mit Know- how bei der Finanzierung und initiiert neue Projekte. Das Mietshäusersyndikat umfasst 127 Projekte und fast 20 Projektinitiativen aus ganz Deutschland und fördert einen Solidartransfer zwischen leistungsstärkeren und finanziell schwächeren Projekten.

Die gekauften Häuser gehören einer Hausbesitz-GmbH, die zwei Gesellschafter hat: Einen Hausverein der jeweiligen Bewohner*innen und das Mietshäusersyndikat, also der Zusammenschluss aller Hausvereine und einzelner Mitglieder. Die beiden Gesellschafter haben ein Vetorecht bei Hausverkauf, Satzungsänderungen und Ergebnisverwendung, dem jeweiligen Hausverein obliegt die Geschäftsführung und sie arbeiten in Selbstverwaltung. Das Syndikat ist an der GmbH beteiligt, um einen erneuten Verkauf des Objektes oder die Umwandlung in Eigentumswohnungen zu verhindern und die Vernetzung der verschiedenen Projekte und Initiativen zu ermöglichen. Über Mieter*innen, Renovierung etc. entscheiden die Hausvereine selbst.

Finanziert werden Kauf und Sanierung der Objekte durch Direktkredite zu niedrigen Zinssätzenvon Privatleuten. Diese haben den Vorteil, dass sie als Eigenkapitalersatz anerkannt werden und die Fremdkapitalleihe von Banken ermöglichen.

Das Mietshäusersyndikat steht für den kollektiven Wunsch, selbstbestimmt, ohne Angst vor Zwangsräumungen, Hausverkauf, Abriss oder Umnutzung zu wohnen.

Auch im Wagen lässt es sich leben!

Seit 25 Jahren gibt es in Karlsruhe die Wagenburg. Mehrere Menschen, die sich alte Zirkus- oder Bauwagen ausgebaut haben, leben heute auf einem Grundstück an der Haid- und- Neu- Straße, zwischen Rintheim und Hagsfeld.

Begonnen hat alles 1992 mit vier Personen, die unter dem Motto „Raus aus der Innenstadt, weg von Asphalt, Beton und dicken Mauern. Das Leben selbst organisieren“ mit ihren Wagen auf eine Wiese am Stadtrand zogen und diese besetzten. Es folgten mehrere Umzüge, Räumungen und eine Zwangseinweisung auf den Landfahrerplatz. Über zwei Jahre zogen sich die zähen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung unter OB Seiler hin, die eine Wagenburg mit allen Mitteln verhindern wollte. Mit viel Durchhaltevermögen gelang es, eine Duldung mit Zustimmung des Gemeinderats gegen den Willen des OB zu erlangen. Ein geschlossener Nutzungsvertrag für die Wiese beinhaltet die Räumung des Platzes, wenn die Nordtangente oder Teilstücke gebaut werden. Die Neuplanung der Hagsfelder Südumfahrung gab erstmal „Entwarnung“ für die Wagenburg (DS Nr. 3).
Heute leben dreizehn Menschen unterschiedlichen Alters in der Wagenburg. Es gibt gemeinschaftlich genutzte Wagen, wie Küchen-, Bad- oder Klowagen und individuell ausgebaute und gestaltete Wagen der Bewohner*innen.

Die Wagenbewohner*innen legen viel Wert auf einen ressourcenschonenden Umgang mit Energie, sie nutzen beispielsweise Brunnenwasser und Solarstrom und haben einen Gemüsegarten angelegt.

Mehr zum Schwerpunkt Wohnen

(Sozial) Wohnen in Karlsruhe (Infografik: Jan Krüger)
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