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Der lange Weg zur Einbürgerung

Kein Willkommensgruß, dafür ein Merkblatt zum Verlust der Staatsbürgerschaft bekam ich zur Einbürgerung (Foto: Benedict Holbein)

Seit vielen Jahren spielte ich mit dem Gedanken,  Deutsche zu werden. Ich habe eine Tochter, die hier geboren ist, meinen Ehemann und meine Arbeitsstelle. Ich habe in Peru ein deutsches Abitur gemacht, in Deutschland studiert und lebe mittlerweile seit fast 10 Jahren hier. Wie sich zeigen sollte,  war es nicht so einfach, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Bis dato war es alle zwei Jahre ein aufwändiges Unterfangen, den Aufenthaltstitel verlängern zu lassen, stets verbunden mit der Sorge, er werde nicht verlängert.

Ein bürokratischer Hindernislauf

Die Voraussetzungen und Formulare zur Einbürgerung sowie die Kostenaufstellung sind online verfügbar. Dort besteht auch die Möglichkeit, einen Termin bei der Staatsangehörigkeitsstelle zu vereinbaren.

Beim ersten Termin fragte die Sachbearbeiterin, warum ich Deutsche werden möchte, und sagte zu mir, ich bräuchte zuerst eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Dazu benötigte ich original beglaubigte und übersetzte Urkunden aus Peru. Zum Glück half mir meine Mutter bei der Urkundenbestellung und dem Versand nach Deutschland. Es dauerte einige Wochen, bis die Urkunden in Deutschland waren. Bei jedem Besuch beim Amt hoffte ich, es wäre soweit und ich bekäme die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.  Doch jedes Mal fehlten noch Urkunden wie Arbeitszeugnisse, Mietbescheinigung, gesetzliche Rentenversicherungsnachweise etc. Die Liste der Voraussetzungen nahm kein Ende. Auch mein Mann musste alle Verdienste offenlegen, sogar das Sparbuch unserer Tochter mussten wir vorlegen. Nach drei Monaten erhielt ich die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Ein langwieriges und teures Unterfangen

Für den Antrag auf Einbürgerung brauchte ich erneut die übersetzte und beglaubigte Geburtsurkunde sowie Zeugnisse, für die ich rund 150 € aufbringen musste. Der Antrag selbst kostete 235 € und der Einbürgerungstest ca. 30 €. Da dieser Test in Karlsruhe nicht oft stattfindet, musste ich zum Landratsamt Rastatt fahren. Eine weitere Voraussetzung war, dass meine Ausweise gültig sind. Das bedeutete, dass ich mehrmals nach München zum peruanischen Generalkonsulat fahren musste, um aktuelle Pässe und Ausweise aus Peru zu bekommen, nur um Monate später meine peruanische Staatsbürgerschaft abzulegen.. Der Antrag auf Niederlegung der peruanischen Staatsangehörigkeit kann nur persönlich bei einem Termin beim Konsul gestellt werden. Es war also eine weitere Fahrt nach München nötig. Außerdem dauert es Wochen, einen solchen Termin zu bekommen. Gleichzeitig tickte die Uhr für das Einbürgerungsverfahren, das nach Antragsstellung innerhalb von einem Jahr abgeschlossen sein oder wieder von vorne begonnen werden muss. Als ich endlich die Bestätigung der Abgabe der peruanischen Staatsbürgerschaft bekam, hieß es abwarten, bis die Staatsangehörigkeitsbehörde sich bei mir meldete. Alles in allem kostete mich das Verfahren mittlerweile knapp 1.000 €. Als ich den erwarteten Anruf der Sachbearbeiterin bekam, der Schreck: Wieder sollte ich Verdienstbescheinigungen usw. beim Amt vorlegen. Wieder Wochen des Wartens auf Antwort der Behörden.

Endlich war die Einladung zur Einbürgerung in der Post. Ich freute mich sehr darauf nach über einem Jahr Wartezeit, endlich die Einbürgerungsurkunde in den Händen zu halten. Bei der „Zeremonie“ musste ich die Loyalitätserklärung auf den deutschen Staat laut vorlesen und unterschreiben. Die Sachbearbeiterin erklärte, ich solle so schnell wie möglich meinen neuen Personalausweis beantragen. Dann bekam ich endlich die Urkunde, gemeinsam mit dem Merkblatt „Wie kann man die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren“.

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